Sportfotografie & Fotorecht

Es gibt da einen Spruch: Auf hoher See und vor Gericht liegt Dein Schicksal in Gottes Hand. ūüôā

Gerade was das Recht, hier speziell das Fotorecht betrifft, sollte man sich besser vorab etwas schlau machen und informieren. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass man in der √Ėffentlichkeit alles und jeden fotografieren darf, weil es eben √∂ffentlich ist, darf man eben nicht grunds√§tzlich immer Aufnahmen machen. Ganz zu schweigen davon, dass man nicht alles was erlaubt ist zu fotografieren, dann auch ver√∂ffentlichen darf.

Das Folgende ist keine Rechtsberatung, die darf ich gar nicht vornehmen. Es handelt sich um meine Auslegung der Informationen, meiner Erfahrung sowie einer Beratung durch eine Fachanw√§ltin f√ľr Kunst- und Urheberrecht.
Wer sich nicht sicher ist, ob er dass fotografieren darf, was er m√∂chte, bzw. wer sicherstellen m√∂chte, dass er Bilder ungestraft ver√∂ffentlichen darf, der sollte sich vorab informieren, und im Idealfall einen Anwalt fragen. Auch wenn so eine Beratung nicht kostenlos ist, kann sie im Ernstfall doch helfen eine Menge Geld zu sparen und √Ąrger zu vermeiden.

Ich beschr√§nke mich in diesem Artikel auf das Fotorecht bez√ľglich der Sportfotografie.
Bei der Veröffentlichung von Bildern sind in erster Linie die Rechte von zwei Gruppen zu beachten. Zum einen das Urheberrecht des Fotografen, zum anderen das Recht am eigenen Bild der abgebildeten Person(en).

Rechte des Fotografen

Der Fotograf ist immer der Urheber des Bildes, egal ob Profi- oder Hobbyfotograf. Er entscheidet, welche Fotos, wo und in welcher Form verbreitet werden d√ľrfen. Der Fotografenname ist bei einem ver√∂ffentlichten Foto immer zu nennen, au√üer der Fotograf verzichtet explizit darauf. Wichtig: Auch wenn das Bild bereits irgendwo ver√∂ffentlicht ist, z.B auf einer Homepage, darf es nicht „kopiert“ und z.B. bei Facebook gepostet werden. Der Urheber bestimmt, wann seine Bilder wo und wie genutzt werden d√ľrfen.
Das Urheberrecht kann nie veräußert werden, der Fotograf kann es nie verlieren oder verkaufen. Er kann nur das Recht zur Veröffentlichung verkaufen oder verschenken (wie z.B. mit einem TfP-Vertrag), das bedeutet, ein anderer kann nur Nutzungsrechte an einem Bild vom Fotografen erwerben. Damit keine Mißverständnisse entstehen, sollten diese Nutzungsrechte detailliert in einem Vertrag geregelt werden. So darf bei einem einfachen Nutzungsrecht das Bild zum vereinbarten Zweck veröffentlicht werden und auch weiterhin vom Fotografen verbreitet werden. Beim ausschließlichen Nutzungsrecht, darf der Fotograf das Bild nur noch eingeschränkt veröffentlichen, im Regelfall wird hierbei vertraglich ein zeitliches Nutzungsrecht bestimmt, nach Ablauf der Frist darf der Fotograf wieder uneingeschränkt das Bild verwenden. Ein exklusives Nutzungsrecht gibt es in Deutschland nicht.
Im Rahmen der Nutzungsrechte sind auch die √Ąnderungsrechte zu beachten. Nur die Bildgr√∂√üe darf ohne R√ľcksprache ge√§ndert werden. Inhaltliche √Ąnderungen, dazu geh√∂rt z.B. die Wahl des Bildausschnitts, sind nur mit Zustimmung des Fotografen erlaubt. Auch die Verwendung des Bildes als Komponente eines Kunstwerks, z.B. einer Collage, oder eine andere Art der Verfremdung, die die Bildaussage ver√§ndert, ist nur mit Erlaubnis des Fotografen m√∂glich.

Rechte des Fotografierten (Sportler)

F√ľr die abgebildeten Sportler ist in aller Regel keine Einwilligung zur Ver√∂ffentlichung notwendig, wenn sie als sogenannte Personen der Zeitgeschichte im Sinne des ¬ß 23 Absatz 1 Nr. 1 KunstUrhG anzusehen sind. Nachdem die Unterteilung von absoluten und relativen Personen der Zeitgeschichte von der Rechtsprechung seit dem Jahr 2004 aufgegeben wurde, kommt es jetzt darauf an, dass ein √ľberwiegendes Interesse der √Ėffentlichkeit an der Abbildung der Personen besteht. Dies d√ľrfte beispielsweise bei √∂ffentlichen Sportveranstaltungen der Fall sein, egal ob bei den Profis oder Amateuren. Solange eine Person auf dem Platz und in Aktion ist, sollte einer Aufnahme und einer Ver√∂ffentlichung im Sinne einer Berichterstattung in der Regel nichts entgegenstehen. Nicht erlaubt sind jedoch Aufnahmen in nicht-√∂ffentlichen Bereichen, z.B. der Umkleidekabine, solange kein ausdr√ľckliches Einverst√§ndnis vorliegt.

Wer sich nicht sicher ist, ob er in bestimmten Situationen fotografieren darf, sollte rechtzeitig nach einer Einwilligung fragen. Das geht auch m√ľndlich und es reicht sogar schl√ľssiges Verhalten aus, wenn z.B. der Fotografierte von selbst posiert und zur Aufnahme auffordert.

Spezialfall Kinder und Jugendliche
Es ist nicht nur erlaubt, Kinder bei einer √∂ffentlichen Sportveranstaltung zu fotografieren, ohne die Eltern um Genehmigung zu fragen, sondern sogar die Ver√∂ffentlichung solcher Bilder gegen den Willen der Eltern. (BGH Az.: VI ZR 125/12). Bei anderen Gelegenheiten gilt weiterhin, dass Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen nur erlaubt sind, wenn die Eltern das zuvor ausdr√ľcklich genehmigt haben. Erst recht ist ihr Einverst√§ndnis notwendig, wenn die Aufnahmen ver√∂ffentlicht werden sollen!

Rechte des Fotografierten (Zuschauer)

Zunächst gilt erstmal das elementare Fotorecht: Kein Personenfoto ohne Einwilligung!
Wie so oft, gibt es allerdings auch gesetzliche Ausnahmen. Im Fall der Personenfotografie ist ¬ß 23 Absatz 1 Nr. 3 KunstUrhG zu ber√ľcksichtigen. Demnach ist keine Einwilligung erforderlich von Teilnehmern einer Versammlung, eines Aufzuges oder √§hnlicher √∂ffentlicher Veranstaltungen. Solange also eine Sportveranstaltung im Gesamten dargestellt wird, z.B. bei einer Aufnahme des Stadions mit Spielern und Zuschauern, ist keine Einwilligung notwendig. Vorsicht ist geboten, wenn man auf dem angefertigten Bild nicht erkennt, dass es sich um eine Sportveranstaltung handelt, weil man einzelne Personen aus dem Geschehen herausgegriffen hat.
Ebenfalls annehmen kann man, dass die Zuschauer eine konkludente Einwilligung erteilt haben, wenn sie an einem gr√∂√üeren Sportturnier, z.B. einem Bundesligaspiel teilnehmen. Hierbei wird man jedoch einschr√§nken m√ľssen, dass das nicht f√ľr jede Veranstaltung gilt. Vor allem im Amateurbereich sind die Zuschauerzahlen sehr √ľberschaubar, so dass man zwangsl√§ufig bei Aufnahmen einzelne Personen aus dem Gesamtgeschehen herausgreift. Je gr√∂√üer die Veranstaltung ist, und damit die zu erwartende Berichterstattung, desto eher kann man von einer konkludenten Einwilligung ausgehen. Darauf verlassen sollte man sich jedoch nicht.

Rechte der Veranstalter

Die Veranstalter eines Sportereignisses k√∂nnen als Hausrechtinhaber den Zugang zur Sportveranstaltung insbesondere f√ľr Fotografen beschr√§nken. Das gilt bei kleinen Veranstaltungen ebenso wie bei Gro√üereignissen, an denen ein erhebliches Interesse der √Ėffentlichkeit besteht. Der BGH f√ľhrte dazu aus, dass das Hausrecht seinem Inhaber auch erm√∂glicht, grunds√§tzlich frei dar√ľber zu entscheiden, wem er den Zutritt gestattet und wem er ihn verweigert. Das schlie√üt das Recht ein, den Zutritt nur zu bestimmten Zwecken und in bestimmte Bereiche zu erlauben. (BGH, Urteil v. 08.11.2005, Az.: KZR 37/03) Die Erlaubnis wird mit der sog. Akkreditierung geregelt. Man beantragt vorher eine Foto-Akkreditierung, und bekommt dann eine Zusage oder eben eine Absage. Bei den kleinen lokalen Wettk√§mpfen, die sozusagen vor der Haust√ľr stattfinden, wird kaum der Aufwand mit Akkreditierungen betrieben, allerdings sollte man zumindest vorher eine Fotoerlaubnis einholen. Abgesehen vom rechtlichen Aspekt sollte man schon aus H√∂flichkeit nachfragen, ob Fotografieren erlaubt ist.
Vom Zuschauerrang aus darf man fast immer fotografieren, solange die Bilder im privaten Familienalbum bleiben. M√∂chte man ein Foto dar√ľber hinaus nutzen, sollte man die Einwilligung beim Hausrechtinhaber, dem Veranstalter oder Verein einholen bzw. die Verwendung kl√§ren.

Outdoor-Shooting im Innenhafen Duisburg

Dieses Outdoor-Shooting war bisher eine der gr√∂√üten Aktionen die ich geplant und durchgef√ľhrt habe. Ich hatte zwar fr√ľher bereits bei vereinzelten Shootings mit einer Visagistin zusammengearbeitet, allerdings immer nur im witterungsgesch√ľtzten Studio. ūüėČ Au√üerdem hatte ich mit Carmen und Denise zwei Fotomodelle f√ľr die Aufnahmen im Innenhafen von Duisburg vorgesehen.
Sch√∂nes Wetter bereitet keine Schwierigkeiten, eine halbwegs ruhige Stelle findet sich fast bei jeder Location und selbst wenn es etwas windig ist, kommt eine professionelle Visagistin mit der Situation zurecht. Wenn zu erwarten ist, da√ü es regnet, w√§hrend die Visagistin das Model zurecht macht, dann braucht man eine entsprechend gesch√ľtzte Stelle.
Da es im Innenhafen einige Lokale gibt, waren wir gegen schlechtes Wetter gewappnet und konnten daher in trockene R√§umlichkeiten wechseln. ūüôā Eine kleine Einschr√§nkung hatten wir aber trotzdem hinzunehmen, es war kein Stromanschlu√ü verf√ľgbar. Allerdings zeichnet sich hier auch eine sehr gute Visagistin aus, wenn sie ohne technische Hilfsmittel trotzdem eine perfekte Frisur hinbekommt. ūüėČ
Ein Beauty-Makeup dauert durchschnittlich fast immer eine Stunde, mit aufwendiger Frisur sogar durchaus l√§nger. Diese „Wartezeit“ sollte der Fotograf immer ber√ľcksichtigen bei seiner Planung. Wenn man z.B. ein Studio bucht, sollte man deshalb versuchen, da√ü Model und Visagistin bereits eine Stunde vor Shootingbeginn da sind, damit schon mit dem ersten Styling vor der zu zahlenden Studiozeit begonnen werden kann. Im Regelfall kann man sich im Mietstudio vor der tats√§chlichen Mietzeit treffen. Ein Umstyling w√§hrend des Shootings kostet demnach doppelt, zum einen die Visagistin, zum anderen das in der Zeit gebuchte Studio.
Bei diesem Shooting habe ich nun den Vorteil von zwei Modellen genutzt, um Wartezeiten zu k√ľrzen bzw. zu vermeiden. ūüėČ Nachdem Denise fertig gestylt war, habe ich mich mit ihr auf den „Foto-Spaziergang“ durch den Innenhafen gemacht. W√§hrend wir Aufnahmen gemacht haben, wurde Carmen von Jenny zurecht gemacht. Nach dem ersten Rundgang mit Denise, war Carmen fertig, und ich bin dann mit ihr auf „Foto-Tour“ gegangen. Denise wurde kurz von Jenny nachgestylt, und danach folgten beide Carmen und mir. Das hatte den Vorteil, da√ü Jenny nun zwischendurch das Makeup bei Bedarf korrigieren konnte. Au√üerdem konnte ich mit Denise noch Aufnahmen an den √Ėrtlichkeiten machen, an denen wir zuvor noch nicht gewesen sind. Abgesehen davon war es auch m√∂glich Bilder mit beiden Fotomodellen zusammen zu machen. ūüėČ
Da eine Visagistin nur in ganz seltenen F√§llen noch auf TfP-Basis arbeitet, diente dieses Shooting auch dazu, Jenny kennenzulernen und testweise einmal mit ihr zusammenzuarbeiten. Als Ergebnis kann ich dazu nur sagen, da√ü das Preis-/Leistungsverh√§ltnis bei Jenny stimmt. Auch Carmen und Denise waren mit der Arbeit zufrieden, so da√ü es sicher zuk√ľnftig zu einer weiteren Zusammenarbeit kommen wird. Damit habe ich mein Netzwerk bestehend aus den Fotomodellen Carmen und Denise, vermutlich um eine Visagistin erweitert. ūüôā

Outdoor-Shooting mit Carmen in DuisburgOutdoor-Shooting mit Carmen in DuisburgOutdoor-Shooting mit Denise in DuisburgOutdoor-Shooting mit Denise in Duisburg

Fotomodel Carmen: Sedcard Model-Kartei
Fotomodel Denise: Sedcard Model-Kartei
Visagistin Jenny: Sedcard Model-Kartei

Fotomodelle (3)

Fotomodell-Vertrag

Auch wenn die ersten Fotomodelle vielleicht sehr gute Bekannte sind, sollte man von Anfang an nur mit Absicherung durch einen Model-Vertrag fotografieren. Dieses Model-Release (= Freigabeerkl√§rung) kl√§rt die Nutzungsrechte f√ľr die angefertigten Fotos. Der Fotograf ist zwar immer der Urheber, aber dieses Recht r√§umt ihm nicht die Erlaubnis ein, die Bilder auch zu ver√∂ffentlichen. Wenn man also die Fotos pr√§sentieren m√∂chte (z.B. Homepage, Community-Galerie usw), dann ben√∂tigt man eine Freigabe daf√ľr vom Fotografierten. Vor allem wenn das Model noch nicht vollj√§hrig ist, ist ebenfalls die Erlaubnis der Erziehungsberechtigungen einzuholen. Auch wenn theoretisch eine m√ľndliche Vereinbarung ausreicht, so ist man mit einem schriftlichen Vertrag auch in Zukunft auf der sicheren Seite. Denn man wei√ü nie, ob sich das Model es nicht eines Tages √ľberlegt, und dann doch nicht m√∂chte, da√ü die Fotos ver√∂ffentlicht werden. Gerade im Bereich Akt- und Erotikfotografie k√∂nnte es passieren, da√ü das Fotomodel aus privaten und/oder beruflichen Gr√ľnden eine Ver√∂ffentlichnung untersagen m√∂chte.

Die Beispielvertr√§ge enthalten jeweils die wichtigsten Punkte, die unbedingt aufgef√ľhrt sein sollten. Diese Model-Releases dienen als Basisvorlage, die den eignen W√ľnschen (z.B. Layout, Logo usw) entsprechend angepa√üt werden k√∂nnen. Ich habe die Vertr√§ge selber aus bestehenden Vorlagen zusammengestellt und kann daher keine rechtliche Gew√§hrleistung √ľbernehmen.
Beispiel f√ľr einen Model-Vertrag

Fotomodelle (2)

Fotomodell-Honorar

Fotomodelle aus dem Bekanntenkreis bringen zus√§tzlich einen nicht zu untersch√§tzenden Vorteil mit sich, sie sind recht kosteng√ľnstig. ūüėČ
Gerade als Anf√§nger, egal ob Fotograf oder Model, arbeitet man im Regelfall auf TfP- bzw. TfCD-Basis (Time for Prints), d.h., fr√ľher zu Analog-Zeiten erhielt das Model Abz√ľge der Bilder, heute im Digitalzeitalter erh√§lt es eine CD mit den Bilddateien. Wieviele Bilder man herausgibt, und wieviele man davon bearbeitet, sprich retuschiert, h√§ngt nat√ľrlich von den Ergebnissen des Shootings ab. Eine alte Fotografen-Faustformel besagt, das ungef√§hr 10% der gemachten Aufnahmen gut sind und sich damit f√ľr eine Ver√∂ffentlichung eignen. Hat man also nach einem Shooting 100 Bilder, sind ca. 10 St√ľck davon es Wert, ausf√ľhrlicher bearbeitet und danach pr√§sentiert zu werden. Die Auswahl ist immer Ansichts- und Geschmackssache, es gibt sicher unter den restlichen Aufnahmen durchaus noch weitere Bilder, die ebenfalls vorzeigbar sind. Es handelt sich hierbei oft um Aufnahmeserien, die sich sehr √§hneln, und von denen man eben nur das eine herausragende Bild ausgew√§hlt hat. Diese Zweit-Auswahl erh√§lt meistens eine Basisbearbeitung (Wei√üabgleich, Helligkeit, Kontrast, vielleicht noch Bildausschnitt), und wird zus√§tzlich dem Fotomodel √ľberlassen. Auf keinen Fall sollte man hierbei allerdings Fotos ausw√§hlen, nur um dem Model einen Gefallen zu tun, und um eine gro√üe Menge an Bildern zu erhalten. Weniger ist oft mehr. Nachher werden pl√∂tzlich Fotos ver√∂ffentlicht, unter denen man lieber nicht seinen Namen sehen m√∂chte.
Im Grunde kann man zwischen drei Verfahren wählen:

  • Fotograf und Model w√§hlen gemeinsam die Bilder aus, die retuschiert werden sollen und diejenigen, die eine Basisbearbeitung erhalten.
  • Der Fotograf trifft eine Vorauswahl und das Model w√§hlt daraus eine vorgegebene Anzahl Bilder aus, die dann retuschiert werden. Die restlichen Aufnahmen der Vorauswahl werden basisbearbeitet.
  • Der Fotograf entscheidet alleine, welche Bilder er in welcher Form bearbeitet und herausgibt. Das Model bekommt nur die vereinbarte Anzahl bearbeiteter Aufnahmen.