Wann braucht man ein Stativ?

Wenn man aus der Hand fotografiert, ist man beweglicher und hat damit die freie Positions- und Perspektivenwahl. Daraus kann sich eventuell eher spontane Kreativität entwickeln. Der Nachteil bei der Arbeit ohne Stativ ist, daß immer genügend Licht vorhanden sein sollte, weil sonst die Bilder verwackeln oder verwischen. Um verwackelte Bilder zu vermeiden, sollte die Belichtungszeit mindestens den „umgekehrten“ Wert der Brennweite betragen. Bei einem 100mm-Objektiv sollte die Verschlußzeit also nicht länger als 1/100s sein, bei einem 200mm-Objetiv nicht länger als 1/200s. Das reicht aus für ein unbewegtes Motiv, will man das Fotomodel in Bewegung einfangen, braucht man mindestens 1/500s eher noch kürzere Belichtungszeiten.
Wenn das Licht nicht für eine Aufnahme aus der Hand ausreicht, braucht man ein Stativ, um Verwacklungen und damit Bewegungsunschärfe in den Bildern vorzubeugen. Ein Stativ sorgt für eine stabile Kameraposition, schränkt aber die Kreativität ein, besonders bei Außenaufnahmen. Manchmal ist es nicht möglich an der gewünschten Stelle ein Stativ aufzubauen. Der Vorteil ist aber der, daß man auch bei sehr wenig Licht, und solange das Model sich nicht bewegt, noch scharfe Bilder machen kann. Man kann also oft auf den Einsatz künstlichen Lichts z.B. Blitz verzichten, und die natürliche Lichtstimmung einfangen. Außerdem verleitet das Stativ mehr zu überlegten Aufnahmen, weil man zuerst die Kameraposition bestimmt, dann den Bildauschnitt wählt, die Pose des Fotomodels korrigiert und danach erst den Auslöser betätigt.
Fotografieren aus der Hand führt schnell zu hektischem Geknipse, man betätigt den Auslöser, bewegt sich etwas vor oder zurück, dreht am Zoom-Objektiv für einen anderen Bildausschnitt, und achtet nicht mehr auf die Feinheiten, was man überhaupt fotografiert. Bei der konzeptionellen Fotografie versucht man eine Idee umzusetzen, und geht daher etwas geplanter an die Aufnahmen heran. Deshalb ist es auch sinnvoll im Studio ein Stativ einzusetzen. Bei z.B. Low-Key-Aufnahmen in der Aktfotografie kann man in aller Ruhe den Bildausschnitt wählen, manuell fokussieren, und dann das Licht setzen und nach dem Kontrollblick durch den Sucher solange ändern bis es paßt. Wenn man aus der Hand fotografiert, hätte man das Problem immer wieder den gewünschten Bildausschnitt zu finden, nachdem man die Kamera zwischenzeitlich aus der Hand gelegt hat. Bei der Fokussierung hätte man sich auf die Kamerautomatik zu verlassen, wenn man nicht ständig neu fokussieren möchte.
Es ist also immer vorab zu überlegen, welche Aufnahmen man wo und unter welchen Lichtbedingungen machen möchte. Dementsprechend wird man ein Stativ verwenden oder eben nicht, eine feste Regel läßt sich dafür nicht aufstellen. 😉 Ein guter Kompromiß könnte ein Einbein-Stativ sein, man ist beweglich, hat aber trotzdemschohn eine recht stabile Auflage für die Kamera.

Einen eigenen Stil finden

Viele Fotografen sind vom Stil ihres Vorbilds so begeistert, daß sie versuchen ihn so gut wie möglich nachzueifern. Das ist durchaus eine Möglichkeit seinen eigenen Stil zu finden. Allerdings sollte man nicht frustriert werden und verzweifeln, wenn man das Niveau nicht erreicht und die Ergebnisse den Vorstellungen nicht entsprechen. Vielleicht ist das dann genau der Weg, der zum eigenen Stil führt, in dem man anfängt zu experimentieren, und nicht mehr nur „kopiert“. Andere Fotografen probieren von vornherein neue Techniken und Ideen aus. Es läßt sich nicht sagen, welcher Weg besser ist bzw. welcher schneller zum eigenen Stil führt, denn der „Stil“ eines Fotografen ist mehr als nur die technische Seite.
Wer sich über einen eigenen Stil Gedanken macht, der sollte überlegen, was seinen Stil ausmachen könnte:

  • Einfaches Licht oder aufwendige Beleuchtungstechnik
  • Farbige Hintergründe im Studio oder entsprechende Outdoor-Location
  • Naturlicht, Blitz oder Dauerlicht
  • Fotomodelle: Männer, Frauen und/oder Kinder
  • Statische oder dynamische Aufnahmen
  • Tele- oder Weitwinkelobjektiv wegen der Schärfentiefe und des Bildausschnitts
  • Einfluß der Bildbearbeitung: Farbe oder Schwarz/Weiß, Filmqualität glatt oder körnig

Entscheidend für den Stil ist natürlich auch, welchem Bereich der Fotografie man sich zuwendet. Bei der Portraitfotografie steht die aufgenommene Person und ihr Charakter im Vordergrund, und bildet damit die Bildaussage. In der Modefotografie wird im Regelfall die Kleidung oder Modemarke präsentiert und beworben. Hierbei spielt auch die Location dann meistens eine wichtigere Rolle als z.B. in der Portrait- oder klassischen Aktfotografie. Es ist also nicht abwegig, daß ein Fotograf mehrere Stilrichtungen entwickelt. So könnten Portraitbilder in Schwarz-Weiß umgewandelt und mit körniger Qualität auf alt getrimmt mehr den Charakter unterstreichen, während Modeaufnahmen eher in Trendfarben und mit Bewegung aufgenommen werden, um die Botschaft von Jugend, Aktivität und Moderne zu präsentieren.

Studio-Shooting mit Black Roxana

Das erste Studio-Shooting in diesem Jahr habe ich im Mietstudio Niederrhein (Tanala Foto GmbH) durchgeführt. Ich bin zum ersten Mal in dem Studio gewesen, deshalb konnte ich vorher auch nicht einschätzen, wie das Arbeiten dort sein wird.
Es ist ein großer Raum, der viel Bewegungsfreiheit läßt. Durch Fenster kommt teilweise reichlich Tageslicht herein, hängt aber von der Tageszeit ab und ob die Sonne scheint. Für Low-Key-Aufnahmen scheint mir die Lichtsituation, zumindest tagsüber, nicht gut geeignet zu sein. Die Papproll-Hintergründe sind in verschiedenen Farben vorhanden und lassen sich an der gewünschten Stelle platzieren, Blitzköpfe und Lichtformer sind ausreichend vorhanden. Das Studio bietet ebenfalls einen Verkauf und Verleih der Ausrüstung an. Das ist dann auch ein Nachteil, denn der Verkaufsbereich befindet sich im gleichen Raum. Auch wenn man den Hintergrund sozusagen als Raumtrenner nutzt, und der Aufnahmebereich daher nicht einsehbar ist, könnte es trotzdem störend wirken, falls sich dort andere Kunden und/oder Personal aufhalten. Ob sich da jeder Fotograf und vor allem jedes Model wohlfühlt? Ich bevorzuge einen abgeschlossenen Raum, in dem ungestörtes Arbeiten möglich ist. Gerade im Bereich der Akt- und Erotik-Aufnahmen düfte es fürs Fotomodel angenehmer sein, wenn es weiß, daß sich nicht noch andere Leute im wahrsten Sinne des Wortes im Hintergrund aufhalten.
Deshalb empfinde ich es ebenfalls als Nachteil, daß in dem Studio keine Umkleidemöglichkeit für das Model vorhanden ist. Es kann sich entweder in der Ecke im Studio umziehen oder auf der Toilette. Eine abgetrennte und gut beleuchtete Schminkecke gibt es auch nicht. Für eine Visagistin sind daher ebenfalls keine guten Arbeitsmöglichkeiten vorhanden.
Da jeder Fotograf andere Vorstellungen vom Shooting hat, und andere Ideen umsetzen möchte, kann man es nicht allen mit den Requisiten Recht machen. Allerdings sollte meiner Meinung nach schon das ein oder andere „Zubehör“ vorhanden sein, und wenn es nur ein paar unterschiedliche Stühle sind, ein paar Kleidungsstücke oder Accessoires, so daß man eventuell spontan noch etwas nutzen kann. Beim Profi mit eigenem Studio wird sich im Laufe der Zeit einiges an Zubehör sammeln. Aber gerade der Freizeitfotograf geht ja ins Mietstudio, wird also dort vermutlich nicht mit einem Kleintransporter ankommen und eine Vielzahl an Requisiten mitbringen.
Studio-Shooting mit Black Roxana in KrefeldStudio-Shooting mit Black Roxana in KrefeldStudio-Shooting mit Black Roxana in KrefeldStudio-Shooting mit Black Roxana in Krefeld

Fotomodel: Roxana
Studio: Tanala Mietstudio

Portraitfotografie (1)

Eines der beliebtesten Motive ist nun mal der Mensch. Es fängt bereits mit der Geburt an, wenn vom neuen Erdenbürger die ersten Bilder gemacht werden. Von den ersten Schritten über die Einschulung bis hin zur Kommunion oder Konfirmation, ganz zu schweigen von jeder Art Familienfeier, es wird fotografiert was das Zeug hält. 😉 Deshalb wenden wir uns auch zuerst einmal der Portrait-Fotografie zu.
Befassen wir uns auch hier erstmal mit den technischen Grundlagen und den Voraussetzungen für gute Aufnahmen.

Portrait-Objektiv

Die Portrait-Fotografie gehört zu den Bereichen, in denen im Allgemeinen mit bestimmten Brennweiten fotografiert wird. Beliebt sind dabei kurze bis mittlere Teleobjektive mit Brennweiten zwischen 85 und 105 mm, denn sie führen nicht zu den Verzerrungen, die man von Weitwinkelobjektiven kennt, und sie komprimieren nicht die Aufnahmentiefe so stark wie lange Teleobjektive. Festbrennweiten sind im Regelfall qualitativ besser als Zoom-Objektive, aber wer flexibel sein möchte und Motive aus den unterschiedlichsten Bereichen fotografiert, der sollte dann ein Zoom-Objektiv mit Brennweitenbereich von z.B. 28-105 mm wählen. Damit hat man dann sogar die Wahl zwischen 85 mm und 105 mm, und kann sich situationsbedingt entscheiden. Selbstverständlich wird es Situationen geben, in denen man spezielle Effekte erzielen möchte, und dann auch zu anderen Brennweiten greifen wird.

Portrait-Blende

Genauso wie es bestimmte Brennweiten gibt für die Portrait-Fotografie, so gibt es auch gute Einstiegswerte für die Blende. Soweit die Lichtverhältnisse es zulassen, sollte man mindestens Blende f/8 oder sogar f/11 verwenden. Diese Blenden bieten eine Schärfentiefe, die über das gesamte Gesicht verlaufen dürfte, also von der Nasenspitze bis zu den Ohren. Das bedeutet, daß man die Zeitautomatik wählt und z.B. Blende f/11 einstellt. Damit dürfte die Kameraeinstellung fast erledigt sein, und man kann sich auf das Licht, die Pose und den Bildauschnitt konzentrieren. 🙂

Hintergrund

Damit nichts vom Haupt-Motiv, dem Portraitierten, ablenkt, ist ein störungsfreier, einfacher Hintergrund notwendig. Im Studio hat man damit selten Schwierigkeiten, dann dort verwendet man meistens einfarbige Hintergründe aus Pappe oder Stoff. In jeder anderen Räumlichkeit und vor allem Draußen sieht es anders aus. Dort sollte man sein Fotomodell möglichst so platzieren, daß der Hintergrund halbwegs einfach erscheint, also nicht zu sehr strukturreich und bunt ist. Außerdem sollte man sein Model soweit wie möglich vom Hintergrund weg platzieren. Wenn man dann zusätzlich noch eine Brennweite von 105 mm verwendet, die für weniger Schärfentiefe sorgt, dann sollte man einen unscharfen, nicht mehr so ablenkenden Hintergrund erhalten. Eventuell hat man hier auch mal eine Blende kleiner als f/8 zu wählen, um durch geringe Schärfentiefe den Hintergrund unscharf zu bekommen.

Fokus-Punkt

Wenn man nicht gerade sehr kreative, künstlerische Aufnahmen macht, dann ist die Frage nach dem besten Fokus-Punkt schnell beantwortet: man fokussiert immer auf die Augen. Ein Portrait-Bild mit unscharfen Augen „funktioniert“ überhaupt nicht. Wer es nicht glaubt, einfach mal ausprobieren. 😉