Stolperfallen bei Nicht-Studio-Aufnahmen

Wenn man nicht im Studio fotografiert, hat das Umfeld bei Outdoor- oder Indooraufnahmen Einfuß auf das Motiv. Gegenüber einem meist einfarbigen Hintergrund im Studio, hat man es nun mit einer Umgebung zu tun, die einerseits eventuell störend wirken kann, andererseits aber auch in die Bildaussage nutzbringend einbezogen werden kann. Man kann das Model in seiner gewohnten Umgebung zeigen wie z.B. am Arbeitsplatz oder sogar zu Hause. Vielleicht wählt man auch eine Location aus, um genau dort eine bestimmte Inszenierung aufzunehmen (z.B. einen Schloßpark, um das Model mit entsprechender Kleidung und Styling zu fotografieren).
Arbeitet man on Location hat man nicht nur auf das Model zu achten, sondern auch auf viele Kleinigkeiten, die den Bildeindruck vermindern können.

  • Ordnung
    Ist das Set aufgeräumt, sollte es das überhaupt sein? Stören Gegenstände und lenken vom Hauptmotiv ab? Stehen Türen, Fenster oder Schubladen offen? Sind Gegenstände umzustellen oder sogar ganz aus dem Bildbereich zu entfernen?
  • Hintergrund
    Ist der Hintergrund ruhig oder zu dominant? Hängen dort Gegenstände an der Wand? Läßt sich der Wandschmuck in die Bildaussage integrieren? Kann man ihn entfernen? Falls nicht, läßt sich ein anderer Bildausschnitt wählen? Eventuell kann man das Model etwas weiter weg vom Hintergrund positionieren, und mit großer Blende die störenden Gegenstände in Unschärfe veschwinden lassen.
  • Reflexionen
    Sind stark reflektierende Gegenstände im Raum? Gibt es Spiegel oder andere spiegelnde und glänzende Flächen? Unbeabsichtigte Reflexionen wirken meistens störend im Bild, und selbst möchte man sicher auch nicht als Spiegelung im Bild erscheinen. 😉 Eventuell hilft auch hier eine Änderung des Bildausschnitts oder man entfernt ggfs. die störenden Elemente aus dem Aufnahmebereich.
  • Requisiten
    Manchmal fehlt nur eine Kleinigkeit zu einem außergewöhnlichem Foto, deshalb sollte man dafür sorgen, daß alle entscheidenden Requisiten beim Shooting vorhanden sind. Bei Business-Portraits können das z.B. eine Wirschaftszeitung und ein Laptop sein. Bei Kinder-Portraits eignet sich fast jede Art von Spielzeug, besonders gut kommen aber immer wieder Seifenblasen-Spender an. 🙂
  • Beleuchtung
    Während der Vorbereitung hat man ja festgestellt, ob man zusätzliches Licht benötigt. Manchmal reichen bereits Aufsteckblitz und Reflektor aus. Sollte man zusätzlich Studioblitze einsetzen wollen, ist vorab zu prüfen, ob ausreichend Steckdosen in Reichweite sind, oder ob man Verteiler und Kabeltrommel benötigt.

Vorbereitung eines Shootings (1)

Gerade dann, wenn man anfängt sich mit der Menschenfotografie zu beschäftigen, sollte ein Shooting gut vorbereitet werden. Selbst einem „alten Hasen“ wie mir passiert es, daß ich z.B. ein bestimmtes Requisit oder Ausrüstungszubehör vergesse. 😉 Daher sollte man bei der Planung folgende Fragen immer im Auge behalten: Wer, Wann, Wo, Was und Warum.

  • Wer?
    Mindestens ein Fotomodel, das man im Regelfall bereits vorher bei einem kurzen Treffen kennengelernt hat. Falls das aus Gründen der Entfernung nicht möglich ist, sollte man zumindest telefonisch die Einzelheiten des Shootings besprechen. Dabei erfährt man auch schon ein wenig über sein Gegenüber, und kann etwas den Typ einschätzen, um daraus hinsichtlich der Art der Aufnahmen und Wahl der Location eine Entscheidung treffen. Vorteilhaft ist weitherin, wenn man bereits Fotos des Models vorher gesehen hat, aber das wird meistens der Fall sein, da man seine Fotomodelle über entsprechende Angebote wie z.B. der Model-Kartei sucht.
  • Wann?
    Da Tages- und Jahreszeit die Lichtverhältnisse beeinflussen, plant man seine Outdoor-Aufnahmen hinsichtlicht der Lichtrichtung und -verhältnisse am Aufnahmeort. Eventuell benötigt man zusätzliche Lichtquellen (z.B. portable Blitzanlage), vielleicht reicht auch schon ein Reflektor oder der Aufsteckblitz aus. Außerdem sollte man berücksichtgen, wann man aufgrund der Lichtverhältnisse sogar Aufnahmen vermeiden sollte bzw. wann man besonders „schönes“ Licht in der Location vorfindet (z.B. Sonnenuntergang).
  • Wo?
    Wenn man nicht gerade im Studio arbeitet, dann bestimmt der Aufnahmeort den Hintergrund und das Umfeld. Das fließt in die Bildideen ein, und damit in die Wahl des Bildausschnitts und Brennweite. Hinsichtlich der Lichtverhälnisse ergeben sich die Überlegungen wie zur Frage „Wann“.
  • Was?
    Abgesehen vom Model, spielt hier die Location-Wahl eine große Rolle. In welchem Rahmen finden die Aufnahmen statt? Das Umfeld beeinflußt nämlich die Art der Portrait- und Mode-Aufnahmen. Sollen mehr formelle Aufnahmen entstehen oder eher entspannte, mehr persönliche Bilder.
  • Warum?
    Diese Frage dürfte mit die wichtigste sein. Für welchen Zweck werden die Aufnahmen erstellt? Benötigt das Model oder der Fotograf die Bilder für private oder berufliche Zwecke. Sollen die Bilder für die Sedcard des Models entstehen oder in einem Buch veröffentlicht werden. Der Zweck gibt meistens die Richtung für die Fotos vor.

Der „Mensch“ als Bildmotiv

Die Menschenfotografie gehört zu den Bereichen der Fotografie, die vermutlich die höchsten Ansprüche an den Fotografen stellt. Denn man braucht Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Geduld und ein wenig Psychologie, um mit Fotomodellen gut zusammenarbeiten zu können. Dafür erhält man dann auch nur von diesen „Motiven“ eine Rückmeldung zu den Ergebnissen. Und wenn man sich an die auch im Alltag üblichen Umgangsformen hält, wie Höflichkeit, Respekt und Aufmerksamkeit, dann wird man im Regelfall mit positiven Reaktionen belohnt werden. 🙂
Die Modelle werden aus allen Bereichen und Altersgruppen kommen, zu Beginn noch aus dem vertrauten und bestens bekannten Freundeskreis sowie der näheren Verwandtschaft. Im Laufe der Zeit wird man aber immer mehr mit Fremden vor der Kamera zu tun haben. Alle werden aber sicher eines gemeinsam haben, sie werden in den wenigsten Fällen jemals zuvor im Leben vor einer Kamera gestanden haben.
Aus diesem Grund sollte auch jeder Fotograf sich mindestens einmal im Leben vor die Kamera begeben, um aus der Erfahrung heraus sich besser in die Situation des Fotomodels hineinversetzen zu können.
Möchte man einen Menschen portraitieren, ist es zwingend notwendig ihn vorher ein wenig kennengelernt zu haben. Deswegen sollten Fotograf und Model sich vorab kurz auf einen Kaffee treffen. Das hat den Vorteil, daß man sich über die Einzelheiten des Shootings unterhalten kann, z.B. über die gewünschten Aufnahmen, die benötigte Kleidung, die geplanten Aufnahmeorte sowie auch über den Einsatz einer Visagistin. Abgesehen davon hat so ein Treffen auch einen positiven psychologischen Effekt für das Model, es lernt in dem Gespräch den Fotografen vorab etwas kennen, so daß dieser Streßfaktor beim eigentlichen Shooting entfällt. Es kann sich bei diesem Treffen allerdings auch herausstellen, daß man gar nicht kreativ zusammenarbeiten kann, weil man keinen Draht zu einander findet, oder weil die Vorstellungen übers Shooting bzw. die gewünschten Aufnahmen zu weit auseinander liegen.
Es ist wichtig, das Shooting gut zu planen, und mit der Ausrüstung sowie Technik vertraut zu sein. Denn wenn der Fotograf bereits hektisch oder nervös ist, weil etwas während der Aufnahmen nicht stimmt, dann übertragt sich das auch auf das Model. Daher ist es von Vorteil, die ersten Shootings mit einem vertrauten Menschen durchzuführen, der es versteht und einem nachsieht, wenn die Aufnahmen nicht wie geplant ausfallen oder man mit der Technik kämpft. 😉
Egal wen man fotografiert, die Freundin oder einen fremden Menschen, Kommmunikation ist das Wichtigste während des Foto-Shootings. Der Fotograf ist die meiste Zeit „versteckt“ hinter der Kamera, das Fotomodel kann seine Gestik und Mimik nicht sehen und deuten, es hat sich auf sein Wort zu verlassen. Daher sollte man immer alles erklären, was man gerade macht und warum. Auch allgemeine Gespräche zwischen den Aufnahmen lockern die Atmosphäre, genauso wie die Lieblingsmusik des Models. Auch wenn man die Einzelheiten bereits vorher besprochen hat, sollte man mit dem Fotomodel nochmal jede Einstellung einzeln durchgehen, bevor man die Aufnahmen macht.
Auch wenn die gewünschte Pose eingenommen wurde, sind immer noch Kleinigkeiten zu verändern. Aber Achtung, wenn die Kleidung oder das Haar nicht korrekt sitzt, oder ein Fusel von der Kleidung zu entfernen ist, bittet man das Model oder eine anwesende Visagistin es zu richten, unter keinen Umständen faßt der Fotograf ungefragt und ohne ausdrückliche Erlaubnis das Model an. Diese Regel ist ein ungeschriebenes Gesetz.
Bei den Posing-Anweisungen ist darauf zu achten, daß sie deutlich und präzise sind. Aus der Sicht des Fotografen sind „links“ und „rechts“ sowie „vorne“ und „hinten“ etwas anderes als fürs Fotomodel. Und eine Anweisung wie „Schaue bitte zu mir“, führt meistens dazu, daß das Model den ganzen Kopf dreht und nicht nur die Augen zur Kamera wendet. Genauer wäre es z.B. „Den Kopf bitte in der Position halten, und mit den Augen in Richtung Kamera schauen“.
Häufig werden Models vom Partner oder der Freundin zum Shooting begleitet. In der heutigen Zeit ist diese Begleitperson durchaus in beiderseitigem Interesse, vor allem dann wenn man alleine im Studio arbeitet, allerdings sollte diese Person nicht den Ablauf des Shootings stören. Daher sollte vorher geklärt werden, wer von Seiten des Fotomodels beim Shooting anwesend ist, und wer und zu welchem Zweck (z.B. Visagistin oder Assistent) seitens des Fotografens vor Ort ist. Oft läßt sich eine Begleitperson auch als Helfer integrieren, z.B. bei Außenaufnahmen zum Halten des Reflektors oder für die letzten Korrekturen an Kleidung und Haaren. 🙂

Wie lernt man am besten Fotografieren?

Aufgrund der Bildkritik wird man versuchen, beim nächsten Shooting die bemängelten Punkte zu verbessern. Zusätzlich kann man auch professionelle Unterstützung suchen. Fast überall gibt es mittlerweile Workshops zu den unterschiedlichen Themen der Fotografie. Leider gibt es bei diesen Angeboten genauso wie in anderen Bereichen gute und schlechte Anbieter. Wie erkennt man nun ein seriöses Angebot?
Ist ein Workshop von vornherein als Model-Sharing ausgeschrieben, dann sollte man als Anfänger auf eine Teilnahme verzichten. Bei diesem Angebot erhält man selten theoretische wie praktische Unterstützung. Es geht eher darum, daß sich mehrere Fotografen die Studio- und Modelkosten teilen. Dafür hat dann jeder Teilnehmer eine entsprechende Zeit verfügbar, in der er mit dem Model Aufnahmen machen kann. Man ist also auf sich allein gestellt, und wenn man wenig Kenntnisse über Studiotechnik besitzt, und auch mit den Posing- Anweisungen fürs Fotomodel nicht vertraut ist, dann wird man nur wenig Nutzen aus dieser Art Workshop ziehen. 🙁
Bei der Ausschreibung des Workshops sollte man darauf achten, wieviel Zeit für wieviele Fotografen verfügbar ist, und wieviele Modelle und Trainer anwesend sind. Bei sechs Fotografen, einem Fotomodel und vier Stunden Workshop kann man sich leicht ausrechnen, wieviel Zeit einem bleibt, um Aufnahmen zu machen. In dieser Zeit sollte der Workshopleiter einem die Technik und den Lichtaufbau erklären, sowie bei der Bildgestaltung und dem Posing helfen. Es kann sich jeder selber vor Augen führen, ob ihm die errechnete Zeit ausreicht, und er etwas aus dieser Veranstaltung lernen kann.
Man sollte also darauf achten, daß das Verhältnis von teilnehmenden Fotografen, zur Anzahl der Fotomodelle und Trainer stimmt. Drei bis vier Teilnehmer pro Model und Trainer scheint eine sinnvolle Anzahl zu sein. Und damit wirklich Wissen vermittelt werden kann, sollte der Workshop mindestens sechs Stunden dauern. Manchmal findet man in der Ausschreibung auch schon Hinweise auf den Ablauf. Gute Workshops beginnen erst mit einem Theorieteil, in dem der Trainer zu einem Thema referiert. Danach geht es dann zum praktischen Teil über und man macht Aufnahmen mit dem Fotomodel. Im Idealfall gibt es zum Abschluß noch die Möglichkeit einer Bildbesprechung über die zuvor angefertigten Fotos. 🙂
Um sich wirklich fotografisch weiterzuentwickeln, sollte man die Angebote gut prüfen. Günstige Workshops sind selten brauchbar. Erst wenn man genügend Erfahrung gesammelt hat, lohnen sich diese „Model-Sharings“. Dann erhält man umgerechnet oft eine kostengünstige Gelegenheit mit einem Fotomodel im Studio zu arbeiten. In der Kürze der Zeit kann man sicher zwei, drei Ideen umsetzen. Außerdem braucht man sich nicht um die Organisation zu kümmern. Studio und Model sowie Technik sind verfügbar. Man braucht sich für dieses Shooting nur aufs Fotografieren vorbereiten, also Bildideen sammeln und Requisiten besorgen. 😉

Outdoor-Shooting im Innenhafen Duisburg

Dieses Outdoor-Shooting war bisher eine der größten Aktionen die ich geplant und durchgeführt habe. Ich hatte zwar früher bereits bei vereinzelten Shootings mit einer Visagistin zusammengearbeitet, allerdings immer nur im witterungsgeschützten Studio. 😉 Außerdem hatte ich mit Carmen und Denise zwei Fotomodelle für die Aufnahmen im Innenhafen von Duisburg vorgesehen.
Schönes Wetter bereitet keine Schwierigkeiten, eine halbwegs ruhige Stelle findet sich fast bei jeder Location und selbst wenn es etwas windig ist, kommt eine professionelle Visagistin mit der Situation zurecht. Wenn zu erwarten ist, daß es regnet, während die Visagistin das Model zurecht macht, dann braucht man eine entsprechend geschützte Stelle.
Da es im Innenhafen einige Lokale gibt, waren wir gegen schlechtes Wetter gewappnet und konnten daher in trockene Räumlichkeiten wechseln. 🙂 Eine kleine Einschränkung hatten wir aber trotzdem hinzunehmen, es war kein Stromanschluß verfügbar. Allerdings zeichnet sich hier auch eine sehr gute Visagistin aus, wenn sie ohne technische Hilfsmittel trotzdem eine perfekte Frisur hinbekommt. 😉
Ein Beauty-Makeup dauert durchschnittlich fast immer eine Stunde, mit aufwendiger Frisur sogar durchaus länger. Diese „Wartezeit“ sollte der Fotograf immer berücksichtigen bei seiner Planung. Wenn man z.B. ein Studio bucht, sollte man deshalb versuchen, daß Model und Visagistin bereits eine Stunde vor Shootingbeginn da sind, damit schon mit dem ersten Styling vor der zu zahlenden Studiozeit begonnen werden kann. Im Regelfall kann man sich im Mietstudio vor der tatsächlichen Mietzeit treffen. Ein Umstyling während des Shootings kostet demnach doppelt, zum einen die Visagistin, zum anderen das in der Zeit gebuchte Studio.
Bei diesem Shooting habe ich nun den Vorteil von zwei Modellen genutzt, um Wartezeiten zu kürzen bzw. zu vermeiden. 😉 Nachdem Denise fertig gestylt war, habe ich mich mit ihr auf den „Foto-Spaziergang“ durch den Innenhafen gemacht. Während wir Aufnahmen gemacht haben, wurde Carmen von Jenny zurecht gemacht. Nach dem ersten Rundgang mit Denise, war Carmen fertig, und ich bin dann mit ihr auf „Foto-Tour“ gegangen. Denise wurde kurz von Jenny nachgestylt, und danach folgten beide Carmen und mir. Das hatte den Vorteil, daß Jenny nun zwischendurch das Makeup bei Bedarf korrigieren konnte. Außerdem konnte ich mit Denise noch Aufnahmen an den Örtlichkeiten machen, an denen wir zuvor noch nicht gewesen sind. Abgesehen davon war es auch möglich Bilder mit beiden Fotomodellen zusammen zu machen. 😉
Da eine Visagistin nur in ganz seltenen Fällen noch auf TfP-Basis arbeitet, diente dieses Shooting auch dazu, Jenny kennenzulernen und testweise einmal mit ihr zusammenzuarbeiten. Als Ergebnis kann ich dazu nur sagen, daß das Preis-/Leistungsverhältnis bei Jenny stimmt. Auch Carmen und Denise waren mit der Arbeit zufrieden, so daß es sicher zukünftig zu einer weiteren Zusammenarbeit kommen wird. Damit habe ich mein Netzwerk bestehend aus den Fotomodellen Carmen und Denise, vermutlich um eine Visagistin erweitert. 🙂

Outdoor-Shooting mit Carmen in DuisburgOutdoor-Shooting mit Carmen in DuisburgOutdoor-Shooting mit Denise in DuisburgOutdoor-Shooting mit Denise in Duisburg

Fotomodel Carmen: Sedcard Model-Kartei
Fotomodel Denise: Sedcard Model-Kartei
Visagistin Jenny: Sedcard Model-Kartei