Die Kamera – Erste Überlegungen

Es wird immer wieder die Frage gestellt, »welche Kamera soll ich mir kaufen, welche Ausrüstung brauche ich«. Eine passende Antwort hierauf zu finden ist nicht einfach, denn die Foto-Ausrüstung ist nur ein Werkzeug. Und je nachdem was man machen möchte, wählt man das entsprechende Werkzeug aus. Wer sein »Handwerk« allerdings nicht beherrscht, der wird weder mit einer 500-Euro-Kamera gute Bilder machen noch mit einer Ausrüstung für mehrere 10.000 Euro. Gerade als Anfänger sollte man sich vorab mit den Grundlagen der Fotografie vertraut machen. Wer nichts weiß über das Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und Brennweite, der wird es schwer haben, mit einer Spiegelreflex­kamera zurecht zu kommen.
Profis haben mindestens eine Kamera der Kategorie Canon 1D oder Nikon D3 sowie die entsprechenden lichtstarken Objektive mit großer Brennweite. Zum einen ist nicht jeder bereit bzw. in der Lage tausende Euro in die Gerätschaft zu investieren, und zum anderen ist nicht für jede Sportart bzw. Aufnahmesituation so eine Ausrüstung notwendig. Daher sollte man sich bei der Ausrüstung zuerst am eigenen Bedarf und den finanziellen Möglichkeiten orientieren.
Mittlerweile ist die Bildqualität heutiger Digitalkameras durchweg sehr gut. Die Technik früherer High-End-Kameras wurde auf untere Preis-Kategorien übertragen, so daß man beim Kauf einer Kamera eines namhaften Herstellers im Regelfall gut bedient wird. Bevor man Einkaufen geht, sollte man auch folgendes bedenken und akzeptieren: Genauso wie bei Computern wird das heute gekaufte Kameramodell sehr wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwei Jahre von einem verbesserten Nachfolgemodell abgelöst werden.
Vor einigen Jahren mag es durchaus sinnvoll gewesen sein, eventuell auf ein Nachfolgemodell zu warten. Denn ein Sprung z.B. von 2 auf 4 Megapixel war schon ein gewaltiger Technikfortschritt. Heute ist ein Generationenwechsel in einer Modellreihe nicht mehr so dramatisch und betrifft meist nur wenige und oft nur kleine Verbesserungen. Eventuell wurde vielleicht das Design verändert oder einige Funktionen sind hinzugekommen, aber die Bildqualität ist in den wenigsten Fällen betroffen. Manchmal bedeutet ein neues Modell sogar einen Rückschritt gegenüber dem Vorgänger! Gerade in den letzten Jahren hatte ein namhafter Hersteller immer wieder Schwierigkeiten, und in einem Fall führten Probleme mit der Fokussierung sogar zu einer umfassenden Service-Rückruf-Aktion.
Gerade dem Anfänger kann man hier nur raten, mit einem Einsteiger-Gehäuse zu beginnen und lieber das Geld in hochwertige Objektive zu investieren. Ein weiterer positiver Nebeneffekt hierbei ist auch, daß dieses Zubehör in der Regel preisstabiler ist als die Gehäuse. Spätestens nach zwei Jahren sind Kamera-Gehäuse durch Nachfolgemodelle ersetzt, gute Objektive überleben hingegen sehr schnell mehrere Gehäusegenerationen.
Eine Kamera auszuwählen ist im Grunde der Prozess einer Filterung der vorhandenen Modelle bis hinunter zu einem individuellen Ergebnis. Ob man nun eine kleine kompakte Digitalkamera oder eine semi-professionelle Spiegel­reflexkamera kaufen möchte, der erste Schritt bei der Entscheidungsfindung ist immer die Festlegung eines Preisrahmens. Danach ist es dann das Ziel, die beste Kamera in dieser Preiskategorie zu finden. »Die Beste« sollte durch die Anforderungen definiert werden, die man entsprechend seinen fotografischen Bedürfnissen festlegt.
Anstatt für eine Kamera 4000 Euro auszugeben, ist man mit einer Kamera zu 1000 Euro und einem hochwertigen Objektiv zu 2000 Euro, zum einen gut ausgestattet, und zum anderen hat man beachtlich Geld gespart. Eine z.B. langsamere Serienbildfunktion mit einer Bildfolge von 5 Bildern pro Sekunde kann man dann durch geschickte Wahl des Auslösemoments kompensieren. Das dürfte sogar sinnvoller sein als bei 10 Bilder/s wie mit einer Maschinenpistole darauf zuhalten und zu hoffen, eine gute Szene erwischt zu haben. Auch in der Sportfotografie sollte man mit Überlegung an Motivwahl und Bildkomposition herangehen.
Diese ersten Schritte in der Entscheidungsfindung grenzen nicht nur die Auswahl ein, sie bewahren auch vor schlaflosen Nächten, in denen man sich fragt, ob man die richtige Wahl getroffen hat. Wenn man erkannt hat, daß »die Beste« kein absolutes Merkmal ist, wird man auch nicht besonders enttäuscht sein, wenn ein Nachfolgemodell neue Funktionen bietet, die man vielleicht gar nicht für die eigene Art der Fotografie benötigt.

Kompakt- oder Spiegelreflex-Kamera?

Im nachfolgenden möchte ich ein paar Punkte betrachten, die mir zum Thema Ausrüstung wichtig erscheinen. Meine Überlegungen sind hierbei eher praxisbezogen, und beruhen wiederum auf der eigenen Erfahrung. Es geht hier weniger darum, technisches oder physikalisches Wissen zu vermitteln, sondern mehr um eine kurze Stichworterklärung, damit man manche Begriffen vielleicht etwas besser einordnen kann, wenn man Prospekte, Angebote oder Kaufempfehlungen liest.

Man kann Kameras in viele verschiedene Kategorien einteilen: Professionell, Amateur, Einsteigerklasse, groß, klein, teuer, preiswert, usw. Die wichtigste Unterscheidung für eine Auswahl ist aber zunächst: Kompakt- oder Spiegelreflex-Kamera?
Bei vielen, die sich ernsthaft mit Fotografie beschäftigen, bedeutet Kompaktkamera gleich minderwertige Qualität. Aber gerade die etwas teureren Modelle besitzen oft schon hochwertige Linsen und produzieren erstklassige Bildqualität. Manche Kompaktkamera hat z.B. einen schwenkbare Sucher, was hilfreich ist, wenn in Situationen fotografiert werden soll, bei denen ein Blick durch den Sucher nicht möglich ist. Diese Kameras haben auch häufig sehr gute Makro-Fähigkeiten. Aufgrund der kleinen Brennweiten und geringen Maße der eingebauten Optik ist es für die Hersteller einfacher, solche Makro-Fähigkeiten bereitzustellen. Spiegel­reflex­kameras erfordern hierzu spezielle und daher teure Objektive. Was sich bisher sehr gut anhört hat allerdings einen Haken. Die Auslöse­verzögerung dieser Kameras ist für die Sportfotografie größtenteils ungeeignet. Die Zeit zwischen betätigen des Auslösers und der tatsächlichen Aufnahme des Bildes, dauert zu lange. Das Motiv hat meistens schon den Bildausschnitt verlassen bzw. die Szene, die man einfangen wollte, ist bereits vorbei. Und auch die Serienbildfunktion, falls überhaupt vorhanden, ist nicht die Schnellste. Daher sind Kompaktkameras für Sportfotografie kaum geeignet.
Spiegelreflexkameras unterscheiden sich von Kompaktkameras in einigen sehr relevanten Einzelheiten. Der Sucher blickt durch exakt dieselbe Optik wie die Kamera, dessen Sensor das Bild aufnimmt. Das bedeutet, daß das Sucherbild annähernd genau jenes ist, welches aufgenommen wird, inklusive aller Effekte, die z.B. durch Vorsatzfilter erzeugt werden.
Fast alle Spiegelreflexkameras haben wechselbare Objektive. Dadurch kann man genau jenes Objektiv wählen, welches man für sein Vorhaben benötigt. Durch den Kauf von höherwertigen Objektiven kann man die erzeugte Bildqualität deutlich verbessern.
Aufgrund ihrer Größe sind die meisten digitalen Spiegelreflexkameras mit einem deutlich größeren Sensor ausgestattet als Kompaktkameras. Ein größerer Sensor bedeutet in der Regel auch höhere Bildqualität. Der Grund dafür liegt in den größeren individuellen Sensorzellen (Pixel). Größere Pixel erzeugen weniger Rauschen, so daß Spiegelreflexkameras bei wenig Licht bessere Resultate erzielen als Kompaktkameras. Sie besitzen zum Teil auch die höherwertigen Ausstattungs­merkmale wie spritzwassergeschützte Gehäuse, schnellere Bildfolgen, höhere ISO-Einstellungen und einen Blitzschuh für ein externes Blitzgerät. Im kreativen Sinne der Bildgestaltung besitzen diese Kameras die größeren Möglichkeiten, durch geringere Schärfentiefe das Bild zu gestalten.

Wer sich ernsthaft mit Sportfotografie befassen will, kommt aktuell an einer Spiegelreflex-Kamera nicht vorbei.

Bildstabilisator und Sportfotografie

Mittlerweile ist bereits schon in vielen Kompaktkameras der mittleren Preisklasse ein Bildstabilisator eingebaut. Dabei handelt es sich aber im Regelfall nur um eine Software, die versucht eine Bewegungsunschärfe aus dem Bild herauszurechnen.
Einen mechanischen Bildstabilisator, der versucht den Vibrationen der Linse entgegen zu wirken, findet man meistens nur in den teuren Objektiven für Spiegelreflexkameras. Die Linsenelemente werden dabei entgegen der Objektiv-Bewegung verschoben, so daß eine Motivverschiebung auf dem Sensor reduziert wird. Die Hersteller versprechen eine zwei- bis dreifache Verlängerung der Belichtungszeit bei gleicher ISO- und Blendeneinstellung. Das ist zwar nützlich bei schlechten Lichtverhältnissen und bei der Aufnahme von ruhenden Motiven, aber in der Sportfotografie ist der Einsatz eines Bildstabilisators wenig sinnvoll.
Meistens benötigt man sehr kurze Belichtungszeiten, um die Bewegung der Sportler einzufrieren. In solchen Fällen ist damit auch automatisch die Verwacklungsgefahr gebannt, vor allem wenn man die Faustformel betrachtet. Demnach gilt, die längste Zeit, die noch verwacklungsfrei aus der Hand zu halten ist, ist 1/Brennweite s. Bei z.B. 300 mm Brennweite wäre das 1/300 s. Es hängt zwar auch noch ein wenig von der Entfernung zum Motiv ab, aber bei Laufbewegungen wie z.B. bei Ballsportarten verwendet man mindestens 1/500 s eher noch kürzer. Außerdem wird man bei größeren Brennweiten zusätzlich ein Einbahnstativ einsetzen, was ebenfalls der Verwacklungsunschärfe entgegenwirkt
Abgesehen von den sowieso benötigten kurzen Belichtungszeiten, kann sich auch noch eine merkbare Auslöseverzögerung ergeben. Das ist ein weiterer Grund, um bei der schnellen Sportfotografie auf den Einsatz des Bildstabilisators zu verzichten.

Fotografieren bei schlechtem Wetter

Nur die teueren Modelle der Spiegelreflexkameras haben spritzwassergeschützte Gehäuse. Und auch nur die qualitativ hochwertigen Objektive sind für den Einsatz bei schlechtem Wetter geeignet, weil entsprechend abgedichtet. In jedem Fall sollte man selbst mit einer teuren Profi-Ausrüstung nicht unbedingt im Dauerregen fotografieren. Wasser auf alle Fälle, sogar Feuchtigkeit z.B. durch Kondensation beim Wechsel vom kalten in einen warmen Raum können ins Gehäuse eindringen und der empfindlichen Elektronik schaden. Also auch im Winter sollte man vorsichtig sein, und seine Ausrüstung gut einpacken. Vor allem sollte man seine Kamera nicht sofort im Warmen auspacken, wenn sie vorher z.B. durch eine längere Autofahrt oder bei einem ausgiebigen Spaziergang stark abgekühlt ist. Brillenträger kennen das Problem, sobald sie von draußen hereinkommen und einen Raum betreten. Die Ausrüstung sollte sich erst in der Foto-Tasche oder -Koffer akklimatisieren, und langsam an die Raumtemperatur „gewöhnen“. Sollte doch einmal die Zeit nicht ausgereicht haben, und die Linse des Objektivs beschlägt, dann hilft nur ein entsprechendes Reinigungs- bzw. Objektivtuch weiter.
Während man dem Beschlagen des Objektivs noch einfach und schnell beikommen kann, ist Regen der weitaus gefählichere „Feind“. Bei mancher Sportübertragung kann man am Spielfeldrand sehen, daß die Profis ihre Ausrüstung mit einer Schutzhülle sichern, und damit auch Dauerregen gefeit sind. Diese Regenschutzhüllen der Markenhersteller waren und sind auch noch immer sehr teuer. Deshalb hat sich unter den Hobbyfotografen der Trick herumgesprochen, einfach entsprechend große Gefrierbeutel zu nehmen. Das eine Ende wird aufgeschnitten, und dann der Beutel über Objektiv und Kamera gezogen. Vorne am Objektiv befestigt man den Beutel, in dem man ein Gummiband darüber zieht. Je nach Größe des Gefrierbeutels, kann man ihn auch auf der Kamerarückseite mit einem Gummiband oder einer Klammer schließen. Der Nachteil dieses Konstrukts, die Kamera läßt sich nur schwer bedienen, und ein Kartenwechsel funktioniert so überhaupt nicht.
Mittlerweile gibt es glücklicherweise erschwingliche Angebote von sehr guten Regenschutzhüllen, die zum einen die Ausrüstung auch beim schlimmsten Regenguß schützen, und zum anderen eine volle Bedienbarkeit der Kamera gewährleisten. Als Ausgangsbasis kann man sich einmal bei „Enjoy Your Camera“ die Regenschutzhüllen anschauen.
Falls die Kamera doch einmal richtig naß geworden ist, sollte man sofort folgende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen: Die Kamera ausschalten, Speicherkarte und Akku herausnehmen, alle sichtbare Feuchtigkeit abwischen bzw. mit einem Papiertuch aufsaugen. Danach die Kamera mindestens 24 Stunden an der Luft trocknen lassen. Sollte erkennbar sein, daß Wasser ins innere der Kamera eingedrungen ist, sicherheitshalber das Gerät zum Service bringen, und es prüfen lassen.

Bildkomposition nach der Drittelregel

Obwohl die Drittelregel in erster Linie für die Landschaftsfotografie gilt, läßt sie sich auch auf die Portraitfotografie übertragen. Die Regel besagt, daß ein Motiv durch horizontal und vertikale verlaufene Linien gedrittelt wird. Bei einigen Kompaktkameras ist diese Einteilung bereits im Sucherfeld vorhanden oder kann eingeblendet werden, bei Spiegelreflexkameras läßt sich eine entsprechend konstruierte Mattscheibe einsetzen.
Die wichtigen Bildelemente sollten in den Schnittpunkten dieser Linien bei der Bildgestaltung platziert werden. Der Horiziont sollte entweder an der oberen oder unteren Horizontalenlinie ausgerichtet werden und bei Portraits das Fotomodel auf der rechten oder linken Vertikallinie.
Platziert man das Fotomodel in der Bildmitte, kann die Bildkomposition schnell langweilig wirken, da an beiden Seiten des Models nichts passiert. Hier sollte das Interesse des Betrachters durch eine entsprechende Pose und Requisiten geweckt werden. Schaut das Model z.B. nach links, erweckt man den Eindruck, als würde es mit dem Betrachter kommunizieren und eine Reaktion herausfordern. Blickt das Model nach rechts wird versucht den Betrachter mitzunehmen und z.B. bei den übermittelten Gefühlen Einklang herzustellen.