Ist der Einsatz einer Visagistin sinnvoll?

Portraitbild von Achim (ungeschminkt) & Steffi (selbst wenig geschminkt)Auch wenn sich die meisten weiblichen Fotomodelle selber schminken können, sollte im Vorgespräch geklärt werden, ob eine Visagistin das Schminken übernehmen soll oder nicht. Denn auch beim Make-up wie der Frisur können Kleinigkeiten ein Bild zerstören oder verbessern. Gerade bei Anfänger-Modellen reicht manches Make-up vielleicht noch für die Disco am Samstagabend aus, aber nicht für vorzeigbare Portraitbilder, weil das Model aussieht als wäre es in den Farbtopf gefallen. 😉 Auch dieses ist ein Grund, sein Model kurz vorab einmal persönlich kennenzulernen. Dann kann man sich selber überzeugen, wie es mit den Schminkfähigkeiten aussieht.
Zu Beginn seiner „Karriere“ hat man als Fotograf sicherlich andere Sorgen und Hindernisse zu überwinden, aber im Laufe der Zeit sollte man sich überlegen, ob man nicht einen Grundkurs in Sachen Make-up belegt. Zum einen ist man für den schlimmsten Fall gerüstet, und kann selber Hand anlegen, zum anderen kann man auch wesentlich präzisere Anweisungen zum Schminken geben. Eventuell hat man aber auch Glück und kann im Laufe der Zeit eine Visagistin für eine langfristige Zusammenarbeit gewinnen. Bei günstigen Konditionen wie vielleicht sogar mal bei außergewöhnlichen Ideen auf TfP-Basis, hat man dann mit dem Thema Make-up nichts mehr am Hut. 🙂

Portraitbild von Kathrin (selbst geschminkt)Es geht hier zuerst einmal nur um klassische Portraitaufnahmen, und nicht um aufwendige Beauty- und Glamour-Aufnahmen. Das Make-up und die Frisur sollen in erster Linie den Charakter das Models unterstreichen, und zum Typ passen. Es sollte der Teil des Gesichts betont werden, auf dem auch der Fokus beim Bild liegt. Ein auffälliger Lippenstift sollte nicht von den Augen ablenken, genauso wenig wie ein fabrenfroher Lidschatten von den Lippen. Hingegen kann man mit einem Konturenstift entweder Lippen kleiner wirken lassen oder auch größer, jenachdem welche Regulierung für die Bildwirkung notwendig ist. Die Farbauswahl, also wärmere oder kühlere Farben, bei Lippenstift und Lidschatten richtet sich nicht nur nach dem Typ des Models, sondern auch nach der Kleidung. Hier sollte farbliche Harmonie herrschen, damit nicht „Farbpunkte“ vom wesenlichen im Bild ablenken.
Falls als Endprodukt Schwarzweißfotos geplant sind, sollten beim Make-Up kräftige, dunkle Farben gewählt werden, damit die fehlende Farbwirkung im endgültigen Foto durch einen guten abgestuften Kontrast aufgefangen wird.
Arbeitet man mit einer Visagistin oder Visagisten zusammen, sollte man sich vorher Notizen machen oder noch besser Beispielbilder sammeln, z.B. aus Zeitschriften, um vorab seine Vorstellungen besser vermitteln zu können. Für ein normales Tages-Make-up sollte man beim Shooting ein halbe bis dreiviertel Stunde einplanen, für aufwendige Beauty-Aufnahmen kann ein komplettes Styling (Make-up und Haare) durchaus mehrere(!) Stunden dauern.
Portraitbild von Insa mit Spezial-Make-upAuch wenn hier meistens von „Visagistin“ geredet wird, so gibt es durchaus auch Visagisten, aber eben sehr selten. Viel wichtiger als das Geschlecht ist allerdings die Fähigkeit auch Haare frisieren zu können. Das beste Make-up nutzt nichts, wenn die Frisur dazu nicht paßt. Eine Ausbildung zur Friseuse oder zum Friseur sollte daher vorhanden sein. Neudeutsch heißt es mittlerweile „Make-up-Artist und Hairstylist“. Das sind die Fachleute, die sich mit Make-up auskennen, oft auch mit Spezialeffekten (z.B. Blut, Wunden, Narben), und natürlich mit dem Hairstyling.

Ansichten in der Portraitfotografie

In den wenigsten Fällen wird man ein Fotomodel frontal von vorne aufnehmen. Diese Fotos werden heute eher als Paßfotos verwendet, aber nicht als künstlerische Portraitbilder. 😉
Aufgrund der unterschiedlichen Blickwinkel des Models in Beziehung zur Kameraebene spricht man von veschiedenen Ansichten. In der weniger genutzten Frontalansicht ist das Gesicht des Models dem Fotografen zugewandt. Das Fotomodel schaut daher den Betrachter direkt an, es wird große Nähe vermittelt. Diese Situation findet sich in der Realität nur im direkten Gespräch wieder.
Beim Dreiviertelprofil ist das Gesicht leicht aus der Frontalansicht zu einer Seite gedreht. Dadurch wirkt die dem Betrachter zugewandte Seite optisch etwas voller, die abgewandte Seite etwas schmaler, und sie liegt oft auch etwas im Schatten. Mit dieser Ansicht können somit Gesichtsformen optimiert werden, da sich im Regelfall die Gesichtshälften eines Menschen unterscheiden. Es gilt also herauszufinden, welches die „Schokoladenseite“ ist, um diese dann aufzunehmen.
Im Halbprofil wird das Gesicht so aufgenommen, daß das zweite Auge noch zu erkennen ist. Diese Ansicht findet sich auch in der Wirklichkeit häufig wieder, denn der Betrachter nimmt seine Gesprächspartner in größerer Runde häufig aus diesem Blickwinkel wahr. Auch in dieser Ansicht sollte man die vorteilhafte Gesichtshälfte des Portraitierten herausfinden, und diese aufnehmen.
Beim Viertelprofil handelt es sich fast schon um ein Profilfoto. Das zweite Auge ist nicht mehr zu sehen, bestenfalls noch die Wimpern oder nur ein wenig vom abgewandten Nasenflügel.
In der Profilansicht wird das Gesicht von der Seite aufgenommen. Diese ungewöhnliche Ansicht erweckt eher den Eindruck von erkennungsdienstlichen Fotos als von künstlerischen Portraitbildern. Bei diesen Aufnahmen findet keine Kommunikation zwischen Fotomodel und Betrachter statt. Hier wird eher die Kopfform des Models hervorgehoben bzw. man verwendet diese Art der Aufnahmen, um z.B. ein besonders aufwendiges Make-up und damit die Arbeit einer Visagistin zu präsentieren.
Für eine Portraitaufnahme wählt man besten eine Ansicht zwischen der Frontalansicht und dem Viertelprofil. Dadurch hat man immer einen großen Teil des Gesichts im Bild, und man ist variabel was Blickrichtung und Kopfhaltung betrifft. Somit kann man bei der Bildwirkung ganz leicht experiementieren, in dem man das Fotomodel den Kopf in derselben Ansicht etwas neigen, senken oder anheben läßt. Und wenn das Model dann noch bei den verschiedenen Kopfhaltungen in unterschiedliche Richtungen blickt, wird man feststellen, wie leicht man die Bildwirkung mit so kleinen Veränderungen schnell beeinflussen kann.