„Lohnt“ sich das Fotografieren?

NEIN! 🙁
Wenn man es unter finanziellen Aspekten betrachtet, bleibt die Fotografie im Regelfall ein teures Hobby, das eben nur Geld kostet. Im Zeitalter der Digitalfotografie hat mittlerweile fast jeder eine Kamera, und sei es auch nur die im Mobiltelefon. Diejenigen, die eine Spiegelreflex-Kamera besitzen, werden allgemein gleich als „Profi“ eingestuft, der es ja drauf haben muß bei einer so teuren Kamera. 😉 Das fĂŒhrt dann dahin, daß selbst zu großen Familienereignissen wie Hochzeiten einfach die Freunde gefragt werden, ob sie nicht bei der Feier fotografieren können. Es wird vorher nicht bedacht, daß dieser Schuß nach hinten losgehen könnte. Man sieht einfach nur die gesparten Ausgaben.
Warum ist denn ein Profi-Fotograf so „teuer“? FrĂŒher war Fotograf eben ein Ausbildungsberuf, d.h., derjenige hat es gelernt, und entsprechende Erfahrung vorzuweisen sowie die notwendige AusrĂŒstung. Die Hobby-Fotografen im Freundeskreis können da selten mithalten, so daß im nachhinein die EnttĂ€uschung groß ist, wenn die BildqualitĂ€t zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€ĂŸt. Um beim Beispiel der Hochzeit zu bleiben, man heiratet fĂŒr gewöhnlichen nur einmal, und dann sollte dieses Ereignis auch im Bild dementsprechend festgehalten werden. Bevor man also den nĂ€chstbesten Hobbyfotografen fragt, sollte man sich wirklich fragen, ob hier Kostenersparnis und die zu erwartenden Bildergebnisse in richtigem VerhĂ€ltnis stehen.
Diese Situation bedeutet fĂŒr den ambitionierten Amateurfotografen nun, daß er einerseits mit einer Vielzahl an Mitbewerben zu rechnen hat, andererseits selber ĂŒberlegen sollte, ob er qualitativ ĂŒberhaupt die gewĂŒnschten Ergebnisse liefern kann. Wenn man also den Entschluß faßt, zu versuchen mit Fotografie Geld zu verdienen, dann braucht man fĂŒr den geplanten Einsatzbereich die entsprechende AusrĂŒstung. Jede GeschĂ€ftseröffnung beginnt zuerst mit Investitionen und damit auch mit Verlusten. Auch im Kleinen braucht man ein GeschĂ€ftskonzept: Was möchte ich fotografieren? Brauche ich ein Studio? Woher kommt die Kundschaft, wie gewinne ich sie? Welche AusrĂŒstung benötige ich? Welche UmsĂ€tze/Gewinne sind zu erwarten? usw.
Eins sollte man nicht vergessen, sobald es ums Geld geht, hört der Spaß auf. Wenn man Geld verdienen möchte, kann man sich die AuftrĂ€ge nicht unbedingt immer aussuchen. Das bedeutet, man muß nehmen was kommt, auch etwas, was man sonst nicht fotografieren wĂŒrde. 😉
Wenn man plant, mit der Fotografie Geld zu verdienen, sollte man zuerst mit seinem Steuerberater sprechen. Denn wenn es ums Geld geht, dann ist auch das Finanzamt nicht weit weg. Es ist z.B. zu klĂ€ren, ob zu Beginn die Angabe des Einkommens in der SteuererklĂ€rung ausreicht, und falls nicht, zu welcher „BuchfĂŒhrung“ man verpflichtet ist (Stichwort EÜR), ob man eine UmsatzsteuererklĂ€rung zu machen hat, usw. Außerdem ist fĂŒr die TĂ€tigkeit im Bereich der Portrait- und Hochzeitsfotografie eine Gewerbe-Anmeldung notwendig. Hierzu erkundigt man sicherheitshalber beim Finanzamt und Gewerbeamt. Obwohl es gesetzliche Regelungen gibt, kommt es darauf an, an welchen Sachbearbeiter man gerĂ€t. Da schickt einen das Finanzamt schon mal zum Gewerbeamt und umgekehrt. RegulĂ€r ist es so, daß man sich beim Finanzamt meldet, und seine geplante TĂ€tigkeit, sein GeschĂ€ft beschreibt. Daraufhin wird dort entschieden, ob es eine gewerbliche oder freiberufliche TĂ€tigkeit ist. Wird man als Freiberufler eingestuft, erhĂ€lt man den GeschĂ€ftseröffnungsbogen vom Finanzamt und meldet damit sein GeschĂ€ft an. Entscheidet das Finanzamt, daß man eine gewerbliche TĂ€tigkeit aufnehmen möchte, wird man zum Gewerbeamt verwiesen, und man meldet dort ein Gewerbe an.
Es ist also sehr viel zu planen, zu klĂ€ren und zu investieren, so daß sich die Fotografie vermutlich fĂŒr 99,5% der Freizeitfotografen finanziell nicht lohnen wird. Wer bisher in seiner Freizeit Spaß am Fotografieren hatte, der sollte dabei bleiben, auch wenn es ein teures Hobby ist. Von der Fotografie alleine kann heute so gut wie niemand mehr leben, Neueinsteiger schon gar nicht. Warum also ein schönes Hobby dem Streß opfern?

Warum fotografieren?

Bevor wir uns den praktischen Themen zuwenden, möchte ich nur kurz zum Nachdenken anregen. 😉
Wer sich mit der Fotografie beschĂ€ftigt, stellt sich im Laufe seines Fotografenlebens sicher sehr viele Fragen z.B. zur Technik, AusrĂŒstung und Bildbearbeitung. Aber eine Frage wird leicht ĂŒbergangen, und vermutlich selten beantwortet: „Warum fotografiere ich?“

Ein gewisses Maß Technik-Interesse war zumindest bei mir der Ausgangspunkt. In meiner Jugend gab es noch keine Computer oder Spielekonsolen, da waren Radios, Tonband-GerĂ€te oder eben Foto-Apparate die technischen Höhepunkte, die man sich erfĂŒllen konnte. 🙂 Erst durch das Fotografieren selbst kam dann die Faszination hinzu, den Augenblick festhalten zu können. Die ĂŒblichen Gelegenheiten fĂŒr den Foto-AnfĂ€nger die Kamera zu aktivieren sowie Motive zu finden sind Familienfeiern, Freundeskreis, Hobby, AusflĂŒge oder Urlaub. Jenachdem welcher Freizeitgestaltung man nachgeht, kommt es eventuell zu einer Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema, so wie es z.B. bei mir der Sport gewesen ist. Das bedeutete in den meisten FĂ€llen, daß die Kamera nur an wenigen Tagen hervorgeholt wurde, denn frĂŒher zu Analog-Zeiten spielte der finanzielle Faktor noch eine große Rolle. Filme und Entwicklung waren aufs einzelne Bild umgerechnet im Vergleich zu heute sehr teuer. Die Ausbeute des Hobby-Knipsers war deshalb nicht sehr ergiebig. Erst mit der Digital-Technik setzte sich die Fotografie als Allerwelt-Hobby durch, und war fĂŒr sehr viele Leute erschwinglich.

Es hat Jahre gedauert, zeitweise mit lĂ€ngeren Pausen, bis ich durch einen VHS-Kurs intensiver in die Fotografie eingestiegen bin. Ich habe die Studio-Fotografie kennengelernt, und war begeistert von der Möglichkeit genauso arbeiten zu können wie man es nur von professionellen Fotografen kannte, in einem Studio unter kontrollierten LichtverhĂ€ltnissen mit einem Fotomodell. 🙂 Und genau diese Zusammenarbeit mit anderen macht mir Spaß. Ideen sammeln, ein Foto-Shooting planen, und dann mit dem Fotomodell und eventuell einer Visagistin zusammen gute Bilder erstellen, die am Ende allen Beteiligten gefallen, das ist fĂŒr mich das faszinierende und sinngebende in der „Menschen“-Fotografie.

Im Gegensatz dazu steht die Sportfotografie. Dort lĂ€ĂŸt sich nur wenig planen, man braucht eine schnelle Auffassungsgabe, Reaktionsschnelligkeit und GespĂŒr fĂŒr die Situation. Hier liegt der Reiz darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und dann rechtzeitig den Auslöser betĂ€tigt zu haben. 😉

Wer sich etwas ausfĂŒhrlicher mit den HintergrĂŒnden der Fotografie befassen möchte, ist mit dem Buch „Fotos sehen, verstehen, gestalten“ von Martin Schuster sehr gut bedient. Es ist trotz der psychologischen Betrachtung leichtverstĂ€ndlich geschrieben und enthĂ€lt ein Fotopraktikum mit Anregungen fĂŒr Motive.

Zitat vom Bucheinband:

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und mit dem Fotoapparat ist es leicht, sich ein oder auch viele Bilder zu machen. Martin Schuster spĂŒrt den psychologischen Aspekten der Fotografie nach: Welche Motive werden gewĂ€hlt? Was verbindet Fotografen und Fotografierte? Was erleben wir beim Betrachten eigener und fremder Fotos? Er zeigt, wie Fotos genutzt werden können, um die Vergangenheit wieder lebendig zu machen und wie Presse- und Werbefotografen mit Fotos an unsere WĂŒnsche und SehnsĂŒchte appelieren. Hinweise zur Alltagsfotografie ermuntern dazu, ungeachtet kĂŒnstlerischer Ambitionen die Fotografie fĂŒr das eigene Leben intensiver und persönlicher zu nutzen.

Literaturempfehlung:
Schuster, Martin Prof. Dr.: Fotos sehen, verstehen, gestalten. Berlin: Springer-Verlag, 2.Auflage 2005. ISBN 3-540-21929-3