Kaufberatung (5)

Vermutlich ist die Auswahl der potenziellen Kauf-Kandidaten schon stark eingeschränkt, so daß die wenigen Auswahlkriterien, die man noch betrachten könnte, kaum noch ins Gewicht fallen dürften. Trotzdem werfen wir doch noch einen Blick auf ein paar weitere Merkmale. Vielleicht ist gerade hier der entscheidende Punkt dabei, der noch zur endgültigen Kauf-Entscheidung fehlt.

Blitzgerät

Die Auswahl eines internen Blitzgerätes für eine Kompaktkamera ist sehr viel schwieriger als für eine Spiegelreflexkamera, weil Kompaktkameras mit Blitzgeräten mehr Probleme bereiten. Kleine Kameras bieten nur Blitze mit kleiner Reichweite. Ein Blitz mit einer Reichweite von unter 3 Metern ist meist wenig hilfreich.
Kompaktkamerablitze erzeugen sehr schnell rote Augen bei Personenaufnahmen, weil sie sehr nah an der optischen Achse der Kamera verbaut sind. Um das Risiko zu minimieren, sollte man nach einer Kamera mit einer „Rote-Augen-Reduktion“ schauen. Einige Kameras bieten sogar eine Kamera-interne Funktion, rote Augen aus dem Bild zu entfernen. Diese Funktionen kann man beim Händler schnell und einfach prüfen.

Die meisten Spiegelreflexkameras der unteren und mittleren Klasse besitzen ein aufklappbares internes Blitzgerät. Auch sie sind relativ klein und bieten deshalb recht wenig Reichweite, typischerweise um die 3 bis 4 Meter. Weil sie weiter weg von der optischen Achse eingebaut sind, ist das Problem der roten Augen etwas geringer.

Bei jeder Kamera mit eingebautem Blitzgerät sollte man auf die Möglichkeit der Blitzbelichtungskorrektur achten. Diese Möglichkeit ist oft der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Blitzaufnahme. Mit der Blitzbelichtungskorrektur kann man die Blitzstärke nach oben oder unten beeinflussen. Sehr hilfreich ist dies z.B. in dunklen Situationen, bei denen die automatische Blitzmessung ein Motiv überbelichten würde.

Wer häufig mit Blitz fotografiert, wird sicher nach der maximalen Flexibilität und Kontrolle des Blitzes schauen und eine Kamera wählen, die den Anschluss eines externen Blitzgerätes zulässt. Dabei sollte auch das gesamte externe Blitzsystem berücksichtigt werden: läßt es TTL-Messung zu? Sind die Zweitblitze auch kabellos steuerbar?

Kameradesign und Sucher

Eines der grundlegenden und wichtigen Designmerkmale, die es zu betrachten gilt, ist der Sucher. Viele digitale Kompaktkameras bieten einen optischen Sucher und ermöglichen zusätzlich, das Display als Sucher zu nutzen.
Unglücklicherweise legen die meisten Hersteller nicht viel Wert auf die Qualität der optischen Sucher. Mit „optischer Sucher“ ist hier das kleine „Guckloch“ an den meisten Kompaktkameras gemeint. Die optischen TTL-Sucher digitaler Spiegelreflexkameras sind von den hier angeführten Problemen nicht betroffen.
Der typische optische Sucher einer digitalen Kompaktkamera deckt nur ca. 85% des Bildes ab, welches auf den Sensor kommt. Der aufgezeichnete Bildausschnitt ist also erheblich größer. Er verwirft also ca. 15% der Auflösung in der Anzeige. Zudem sind die optischen Sucher an Kompaktkameras wenig klar, zeigen keine Kameraeinstellungen im Sichtfeld an und sind nicht in der Lage, die Effekte von Filtern und Objektivvorsätzen einzubeziehen

Ein LCD-Sucher dagegen zeigt in der Regel 99-100% des Bildes, wie es auf den Sensor kommt. Er zeigt auch die Filter- und Vorsatzeffekte sowie alle relevanten Kameraeinstellungen an. Sie sind allerdings anfällig gegen helles Sonnenlicht, welches die Lesbarkeit des Displays stark beeinträchtigen kann, auch wenn sie selbst sehr hell eingestellt werden können. Einige Displays wurden speziell behandelt, um Spiegelungen und Reflexionen zu verringern. Aber selbst diese Displays können bei Außenaufnahmen in der Lesbarkeit beeinträchtigt werden. LCD-Sucher können auch Probleme bei sehr dunklen Situationen bereiten: sie bleiben einfach schwarz. LCD-Sucher können einen Kontrastumfang von ca. 10 Blendenstufen anzeigen, wo hingegen das menschliche Auge ca. 18-20 Blendenstufen erfassen kann.

Weil beide Sucherarten ihre Nachteile haben, sind meist beide Arten in den Kompaktkameras anzutreffen, damit sie gegenseitig die Schwächen kompensieren. Besonders kleine Kompaktkameras bieten oft keinen Platz für optische Sucher, so daß hier nur das Display als Sucher dienen kann. Wenn man sich so eine kleine Taschenkamera zulegen möchte, sollte man vorher prüfen, ob man nur mit dem Display als Sucher arbeiten kann.

Bei einer digitale Spiegelreflexkamera gibt es nur in seltenen Fällen einen LCD-Sucher. Mit der Ausnahme einiger Modelle von Olympus und neuerdings auch Canon kann bei DSLR-Kameras das Display nicht als Sucher genutzt werden. Weil das Licht, welches durch die Optik in die Kamera gelangt, von einem Spiegelsystem in den optischen Sucher geleitet wird und nicht auf den Sensor, kann das Display nicht als Sucher dienen. Einige Olympus-Modelle nutzen einen separaten Sensor oder einen Strahlenteiler um eine Sucheroption auch über das LCD zu bieten.

Dennoch ist es ratsam, sich einige Zeit mit den Suchersystemen zu beschäftigen, wenn Sie verschiedene Spiegelreflexkameras vergleichen. Einige Kameras haben größere Sucher als andere, einige bieten eine größere Helligkeit. Ein großer heller Sucher ist ein Gewinn an Fotografiekomfort. Ebenso ist es wichtig, im Sucher die Statusanzeigen der Kamera sehen zu können. Idealerweise wird dort die komplette Belichtungseinstellung, die ISO-Empfindlichkeit und eine eventuelle Belichtungskorrektur angezeigt.

Auslöseverzögerung

Die Auslöseverzögerung ist eine Pause zwischen dem Druck auf den Auslöser und der Aufnahme des Bildes auf den Sensor. Ist diese Pause zu lang, kann das manche gute Aufnahme verhindern und daher sehr frustrierend sein. Die Auslöseverzögerung war früher ein großes Problem. Bei modernen Kameras tritt es nicht mehr so deutlich auf, ist aber auch heute noch vorhanden.

Nach dem Auslösen hat eine Kamera jede Menge zu tun, um das Bild zu berechnen und zu speichern. Die meisten Kameras besitzen einen internen Speicher, in den die Bilder zunächst zwischengespeichert werden, bevor sie auf die Speicherkarte geschrieben werden. Während dieser Zwischenspeicherung kann weiter fotografiert werden. Ist der interne Speicher voll, muß erst auf die Karte geschrieben werden, um den internen Speicher zu leeren. In dieser Zeit können keine weiteren Aufnahmen gemacht werden. Die Größe des internen Speichers und die Schreibgeschwindigkeit sind ein Indiz dafür, wie schnell eine Kamera wieder einsatzbereit ist, nachdem der interne Speicher gefüllt wurde.

Diese Bereitschaftszeit kann einfach ermittelt werden. Man macht in schneller Folge so viele Bilder wie möglich, bis die Kamera weitere Bilder verweigert und den internen Speicher leeren muss. Dann beobachtet man, wie lange es dauert, bis die Kamera wieder schussbereit ist. Wenn die Kamera einen Serienbildmodus bietet, kann man diesen nutzen, um den Test durchzuführen.

Solche einfachen Tests geben einen Eindruck davon, ob die Kamera den Erfordernissen entspricht, vorallem wenn man beabsichtigt Sport-, Tier- oder andere Aufnahmen zu machen, die schnelle Bildfolgen erfordern.
Wenn man beabsichtigt im RAW-Format aufzunehmen, sollte man auch beim Test den RAW-Modus der Kamera verwenden. Aufgrund der unterschiedlichen Dateigrößen können Kameras, die schnelle Bildfolgen im JPG-Modus ermöglichen, bei Aufnahmen im RAW-Modus spürbar langsamer sein.

Einschaltverzögerung

Es ist ebenso wichtig zu wissen, wie lange die Kamera braucht, um nach dem Einschalten schussbereit zu sein. Wenn Sie zu lange braucht, wird man möglicherweise einige interessante Aufnahmen verpassen. Die meisten Kameras haben einen Bereitschaftsmodus. Wenn man sie innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nicht benutzt, schalten sie in den Stromsparmodus. Wenn man dann den Auslöser halb drückt, erwacht die Kamera wieder aus diesem Modus. Diese Aufwachzeit ist ebenso wichtig. Je schneller, je besser.

Histogramm

Ein Histogramm ist eine grafische Darstellung der Tonwertverteilung im Bild. Es ist eine unbezahlbare Hilfe bei der Beurteilung, ob ein Bild über- oder unterbelichtet ist und ob der volle mögliche Dynamikumfang der Kamera ausgenutzt wurde.
Bei vielen der heute erhältlichen Kameras läßt sich ein solches Histogramm für jedes aufgenommene Bild anzeigen. Weil die LCD-Monitore der Kameras Farben und Kontraste nicht exakt wiedergeben können, ist ein Histogramm oftmals die einzige Möglichkeit festzustellen, ob ein Bild richtig belichtet wurde. Wenn man eine Kamera mit irgendeiner Art der manuellen Belichtungskontrolle ins Auge gefasst hat, so ist die Möglichkeit der Histogrammanzeige ein Muß.

Einige Kompaktkameras bieten ein Histogramm in Echtzeitanzeige auf dem LCD-Monitor, so daß man die Auswirkungen von Änderungen an den Kameraeinstellungen sofort beurteilen kann. Die Anzeige nimmt allerdings relativ viel Platz auf dem Monitor ein und ist oftmals schwer ablesbar.

Belichtungsreihen

Belichtungsreihen aufnehmen bedeutet, daß ein Bild mehrfach mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen aufgenommen wird.
Eine Belichtungsreihenautomatik nimmt ein und dasselbe Bild automatisch mehrfach auf, mit definierten Korrekturen zwischen den Einzelbildern. Die meisten Kameras erzeugen so drei Bilder, eines mit der gemessenen Belichtung, eines korrigiert um einen bestimmten einstellbaren Wert nach unten und eines mit diesem Korrekturwert nach oben. Im Serienbildmodus der Kamera kann man einfach den Auslöser gedrückt halten, die Kamera macht dann diese drei Bilder direkt hintereinander, ohne daß man erneut auslösen müsste.
Die meisten Kameras machen eine 3-Bild-Reihe. Wenn man plant, häufig Hochdynamische (HDRI) Bilder zu schießen, sollte man nach einer Kamera mit der Möglichkeit zu 5er- oder 7er-Reihen Ausschau halten.

Quelle: Beitrag im DSLR-Forum von User Scorpio

Linkempfehlung: traumflieger.de – ausführliche Tests von Canon-Kameras in Wort und Bild

Verwandte Beiträge