Kaufberatung (3)

Bei der Kaufentscheidung hat man viele Merkmale der unterschiedlichen Kameramodelle abzuwägen, um die geeignete Kamera auszuwählen. Man möchte schließlich ein Modell finden, das die Bedienbarkeit bietet, mit der man umgehen kann, das die Ausgabequalität hat, die man benötigt, und das in der Preiskategorie liegt, die man sich leisten kann. Betrachten wir nun die nächsten Punkte, die bei der Entscheidungsfindung zu beachten sind.

ISO / Lichtempfindlichkeit

Früher mußte man bei einer Filmkamera entscheiden, welches Filmmaterial man verwendet. Die Filme waren unterschiedlich lichtempfindlich. Empfindlichere Filme benötigten kürzere Zeiten, bei gleichen Lichverhältnissen und gleicher Blenden-Einstellung. Sie ermöglichen es, in Situationen mit weniger Licht zu fotografieren und ermöglichen andere Belichtungen als im hellen Sonnenlicht. Der Nachteil ist die steigende Körnigkeit mit steigender Lichtempfindlichkeit.
Die Lichtempfindlichkeit wird in ISO angegeben, dabei bedeuten höhere Zahlen eine höhere Empfindlichkeit, und damit auch mehr Körnigkeit. Ein Nachteil beim Filmmaterial war, daß man den Film einlegte und dann darauf so lange festgelegt gewesen ist, bis man den Film wechselte, meist also den kompletten Film verschossen hatte.

Auch die Bildsensoren von Digitalkameras sind lichtempfindlich und dies wird ebenfalls in ISO angegeben. Die meisten Digitalkameras haben eine Grundeinstellung von ISO 100, die man allerdings von Bild zu Bild verändern kann. Das ermöglicht die Lichtempfindlichkeit für ein Bild bei weniger Licht heraufzusetzen, und hingegen das nächste Bild im Sonnenschein einfach mit einer niedrigeren Empfindlichkeit zu machen. Da die Empfindlichkeit anders als beim Film von Bild zu Bild geändert werden kann, ist sie praktisch ein dritter veränderlicher Belichtungsparameter. Auch bei dieser Einstellmöglichkeit ist eine schnelle und einfache Bedienung vorteilhaft. Allerdings sollte man die Veränderung der Bildqualität bei veränderten ISO-Einstellungen beachten.

Weißabgleich

Eine der erstaunlichsten Leistungen des menschlichen Auges ist, Farben unabhängig vom umgebenden Lichttyp richtig sehen zu können. Das kann weder ein analoger Film noch eine digitale Kamera. Beim Fotografieren mit einer digitalen Kamera muß diese auf die aktuelle Lichtsituation, sprich: Farbtemperatur, eingestellt werden, das nennt man Weißabgleich.
Falls man allerdings Bilddaten im RAW-Format aufnimmt, ist der Weißabgleich in der Kamera nicht von großer Bedeutung, da er auch nach der Aufnahme per RAW-Konverter-Software im Computer verändert werden kann.
Heutzutage verfügen fast alle Kameras über einen ausgezeichneten automatischen Weißabgleich. Dennoch gibt es Situationen, in denen diese Automatik durch Bildteile fehlgeleitet wird. Viele Kameras verfügen über eine Auswahl an Weißabgleichsvoreinstellungen für bestimmte Lichtsituationen wie z.B. Sonnenschein, Bewölkung, Blitzlicht, Neonlicht usw. Viele Modelle bieten auch an, den Weißabgleich manuell vorzunehmen.
Da die Einstellung des Weißabgleichs für eine bestimmte Lichtsituation vorgenommen wird und diese sich meist nicht schnell und drastisch ändert, z.B. bei Studioaufnahmen, ist eine ebenso schnelle Bedienbarkeit wie bei der Belichtungskorrektur oder anderen Belichtungsparametern nicht so wichtig. Trotzdem sollte die Einstellmöglichkeit des Weißabgleichs nicht zu tief im Kameramenü versteckt sein.

Belichtungsmessung

Ob man nun die Belichtungsmessung vollautomatisch der Kamera überläßt oder durch Erfahrung bei der Einstellung manuell eingreift, ein guter Belichtungsmesser ist mehr als wichtig, um zu einer korrekten Aufnahme zu gelangen. Glücklicherweise haben alle namhaften Hersteller in ihren Kameras ausgezeichnete und hochwertige Messsysteme eingebaut, so daß man hier auf die Technik vertrauen kann.

Betrachten sollte man allerdings die verschiedenen Messmethoden, die eine Kamera bereitstellt. Die meisten Kameras bieten mehrere Methoden an, und wenn man auch mit der geläufigen Matrixmessung (auch Mehrfeldmessung genannt) in den meisten Situationen gute Ergebnisse erzielt, so wünscht man sich oft auch andere Messmethoden, um in unterschiedlichen Lichtsituationen gute Ergebnisse erzielen zu können.
Eine Matrixmessung unterteilt das Sucherfeld in ein Raster, misst jede sich ergebende Zelle aus und berechnet dann eine durchschnittliche Belichtung, die die gesamte Szene erfasst. Die Matrixmessung ist für fast alle Situationen geeignet und die eingebauten Berechnungsmethoden der meisten großen Hersteller erzielen ein ausgezeichnetes Ergebnis.
Dennoch wird die Matrixmessung in manchen Situationen den Bildvordergrund wohl unterbelichten, z.B. wenn ein helles Fenster oder eine Landschaft im Hintergrund ist. Für diese Fälle ist eine mittenbetonte Messung vorteilhafter. Sie arbeitet fast genau wie die Matrixmessung, gewichtet bei der Berechnung aber die Bildzellen um das Zentrum stärker.

Eine Spotmessung ist von großer Bedeutung für Fotografen, die die Belichtungsmessung auf einen kleinen, ganz genau definierten Bereich des Bildes legen wollen. In Situationen mit sehr hohen Kontrasten kann eine Spotmessung verhindern, dass Bildteile überbelichtet werden, indem die Spotmessung auf eben diesen Bereich gelegt wird.
Mancher Hersteller unterscheidet bei dieser Meßmethode noch zwischen Selektivmessung und Spotmessung. Bei der Selektivmessung wird ein ca. 10% großer Bereich in der Mitte des Suchers gemessen. Der Meßbereich bei der tatsächlichen Spotmessung ist dann meistens unwesentlich größer als ein Fokuspunkt im Sucher. Diese Unterscheidung hat einen Vorteil bei Kameras, bei denen man den Fokuspunkt auswählen kann, denn man verändert so auch den Spotmesspunkt gleichzeitig mit.

Bei den meisten Kameras erfolgt die Messung durch das Objektiv (through the lens, TTL). Das bedeutet, der Belichtungsmesser „schaut“ durch die Optik auf die Szene und bewertet sie. Ein TTL-Belichtungsmesser hat dadurch den Vorteil, auch bei Objektivvorsätzen wie z.B. Filtern korrekt messen zu können, weil er eben auch durch diese Vorsätze hindurch misst. Wenn auch sehr selten, so gibt es doch einige wenige Kameramodelle, bei denen der Belichtungsmesser außerhalb sitzt und er deswegen nicht durch die Optik misst. In sehr seltenen Situationen kann die Messung eines solchen externen Belichtungsmessers irritiert werden und er somit ein falsches Messergebnis liefern.

Objektive

Bei der Auswahl einer Kamera ist es einfach, wenn es um die Beurteilung der voraussichtlichen Bildqualität geht. Man betrachtet nur die Auflösung und Bildprozessparameter. Wenn allerdings die Kamera eine lausige Optik besitzt, zählen Auflösungsvorteil und die besten Prozessparameter nicht mehr viel.

Um ein Objektiv zu beurteilen, sollte man sich das Bildergebnis, wie es aus der Kamera kommt, ansehen. Das Display der Kamera ist dazu viel zu klein, um die Qualität einer Optik oder anderer Bildqualitätsmerkmale zu beurteilen. Das geht sehr viel genauer an einem Computermonitor. Falls der Händler keinen Computer bereitstellt, an dem man sich Testbilder der Kameras ansehen kann, so nimmt man eine Speicherkarte mit ins Geschäft, die zum potentiellen Modell kompatibel ist. Auf dieser Speicherkarte nimmt man ein paar Testbilder auf, die man sich dann zu Hause anschauen und analysieren kann.

Bei einer Kompaktkamera mit eingebautem Objektiv stellt sich die Objektivauswahl relativ einfach dar. Bei einer digitalen Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit, die Objektive zu wechseln, ist das völlig anders. Man hat z.B. zu entscheiden, welche Brennweite die Optik bereitstellen soll, um für bevorzugte Motive geeignet zu sein. Ein Teleobjektiv für Sport- und Naturfotografie, ein Weitwinkel-Objektiv für Landschaftsaufnahmen und eines dazwischen für die allgemeinen Aufnahmen.

Aber ob man nun eine Optik an einer Kompaktkamera beurteilt oder an einer Spiegelreflexkamera, die Auswahlkriterien sind dieselben:

  • Wie gut sind Schärfe und Fokus in allen Bereichen? Kann die Optik feine Details auflösen? Sind die Bildecken ebenso scharf wie die Bildmitte? Das sollte man auch über den gesamten Zoom-Bereich bei Optiken mit variablen Brennweiten betrachten. Manche Optiken können die Bildschärfe in den Ecken im Weitwinkelbereich nicht halten. Man sollte auch Bilder mit unterschiedlichen Blenden aufnehmen, vorallem mit größter Blendenöffnung (kleinere Blendenzahl) bis hin zu kleiner werdenden Blenden (größere Blendenzahl).
  • Gibt es Schatten an den Bildrändern (Vignettierung)?
  • Wird das Bild bei Einstellung der Optik in die Zoom-Endbereiche (höchste und niedrigste Brennweite) verzerrt? Die tonnenförmige Ausstülpung vertikaler Linien nach innen oder außen ist meist nur bei Weitwinkelobjektiven ein Problem. Aber selbst wenn ein Objektiv leichte Verzerrungen abliefert, mag das in alltäglichen Situationen hinnehmbar sein.
  • Hat das Objektiv Probleme mit Lichthöfen und Spiegelungen (Lens-Flares)? Das sind farbige Reflexionen, die meist nur im Weitwinkelbereich auftreten, wenn gegen eine Lichtquelle fotografiert wird. Solche Reflexionen sind im Nachhinein fast nicht mehr aus dem Bild entfernbar.

Auch einige praktische Merkmale bedürfen der Betrachtung:

  • Kann man am Objektiv Vorsätze anbringen? Einige Kompaktkameras bieten die Option, Weitwinkel- oder Televorsätze anzubringen. Wenn das der Fall ist, ist eine Bajonetthalterung zu bevorzugen, sie ist einfacher zu handhaben als eine Gewindehalterung. Hierbei ist zu beachten, daß einige Kompaktkameras dann nur noch das Display als Sucher anbieten, da die optischen Sucher dieser Kameras von solchen Vorsätzen irritiert werden.
  • Hat die Kamera eine elektrische oder manuelle Zoom-Kontrolle? Eine manuelle ist einer elektrischen aufgrund der schnelleren Verstellmöglichkeit immer vorzuziehen. Bei kleineren Kompaktkameras gibt es aber oft einfach nicht den Platz für eine solche manuelle Zoom-Kontrolle.

Bisher sind die Entscheidungen bezüglich des Preises, des Kameratyps, der Auflösung und der Belichtungsmöglichkeiten getroffen. Die wichtigste Phase ist abgeschlossen, jetzt kann man sich mit weiteren sekundären Auswahlkriterien auseinanderzusetzen.

Quelle: Beitrag im DSLR-Forum von User Scorpio

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